„Wahrheit in Vielfalt“ – Abschluss der Ringvorlesungen mit dem Weg der Annäherung zwischen Judentum und Christentum

Die sechste Ringvorlesung – die am Mittwoch, den 2. Februar 2022 an der PTH Sankt Georgen stattfand – begann mit einem kreativen Einstieg. Der Referent Prof. Dr. Walter Homolka, Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam und stellvertretender Geschäftsführender Direktor der School of Jewish Theology in Potsdam, wurde mit einem kurzen Frage-Antwort-Spiel von Dr. Juliane Eckstein vorgestellt. 

Zu Beginn seines Vortrags „Der unüberwindliche Graben: Wahrheit in Vielfalt“ wurden die starken Differenzen der beiden Religionen dargelegt, um dann die Annäherung zwischen Judentum und Christentum darzustellen. Jüdische Stimmen äußerten Vorbehalte gegenüber dem Christentum. Insbesondere warfen sie ihm Götzendienst vor, was mit der Inkarnationstheorie, der Trinität und der Verehrung von Bildern begründet wurde. Bis ins Mittelalter hinein gab es kaum Annäherungen zwischen den beiden Religionen, auch weil das Christentum den Titel des ‚wahren Israels‘ für sich zu sehr beanspruchte. Ab dem frühen 19. Jahrhundert blieben aus orthodoxer Sicht Vorbehalte gegenüber dem Christentum bestehen, während eine wachsende Mehrheit der Juden und Jüdinnen die Integration in eine christliche Gesellschaft und das Gespräch mit aufgeschlossenen christlichen TheologInnen begrüßte. Durch Johannes Paul II. wurde eine neue Welle der Annährung angestoßen: „Gemeinsam sind Juden und Christen als Söhne Abrahams berufen, Segen für die Welt zu sein“. Ein weiterer Lichtblick hin zu einer Wahrheit in Vielfalt wurde von Papst Franziskus gesetzt, als er formulierte: „Juden und Christen müssen sich also als Brüder fühlen, vereint von demselben Gott und einem reichen gemeinsamen geistlichen Erbe, auf das man sich stützen und die Zukunft weiter aufbauen muss.“ Grundlage des interreligiösen Dialogs solle sein, dass die jeweiligen Wahrheiten geschieden bleiben, es aber doch einen gemeinsamen Weg geben werde. Dies formulierte bereits der Rabbiner Leo Baeck im Jahr 1956. Dennoch stellte Homolka heraus, dass der Weg hin zu einem gelungenen Dialog noch ein weiter ist. Er äußerte seine Kritik an der Neufassung der Karfreitagsfürbitte für den außerordentlichen Ritus durch Benedikt XVI. im Jahr 2008. Zugleich zeigte er sich erfreut über das Motu Proprio Traditionis custodes aus dem Jahr 2021, das die Zelebration der außerordentlichen Form des Römischen Ritus einschränkt. Zum Abschluss der Veranstaltung nutzten die TeilnehmerInnen vor Ort und im Zoom-Raum die Möglichkeit, dem Referenten Fragen zu stellen. 

Vorschau: 

Im kommenden Sommersemester geht es weiter mit unserer Reihe „Sankt Georgener Abendgespräche“, zu der wir Sie herzlich einladen. Weitere Informationen zum Programm folgen. 

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