Die Eucharistiefeier und die akademische Feier anlässlich der Akademie zu Ehren des hl. Thomas von Aquin am 26. Januar 2022, welcher der Bischof von Limburg, Dr. Georg Bätzing, gemeinsam mit Provinzial P. Bernhard Bürgler SJ vorstand, fand pandemiebedingt mit 60 geladenen Gästen im Foyer der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen statt.
Bischof Bätzing ging in der Homilie auf die kirchliche Übergangszeit ein, in der wir uns gerade befinden. Er bezeichnet diese Zeit des Wandels als „Wüstenzeit“, die als Umkehrimpuls zu verstehen sei. Mit diesem Bild zieht er sowohl eine Parallele zu dem Auszug aus Ägypten im Buch Exodus, als auch einen Rückschluss auf Thomas von Aquin. Thomas könne uns Mut geben, da auch er in einer extrem konfliktreichen Zeit des Aufbruchs der Christenheit lebte und wirkte. Diese Umkehr und der Wandel müsse durch das Heraustreten aus der eigenen Blase und mit der Akzeptanz der Situation geschehen. Abschluss fand die Homilie wieder bei Thomas: „der Heilige Thomas hätte seine Freude daran, wenn die Hochschule Sankt Georgen sich weiter zu solch einem Ort kirchlichen Lebens profiliert.“
Zur akademischen Feier begrüßte Prof. Dr. Thomas Meckel als Rektor der Hochschule insbesondere die Bischöfe der Bistümer Fulda, Limburg und Hildesheim, außerdem den Provinzial P. Bernhard Bürgler SJ, den Delegaten für Schulen und Hochschulen P. Dr. Rutishauser SJ und den Festredner des Abends Dr. Rainer Hermann. Seit dem Wintersemester bietet die Hochschule Sankt Georgen in Kooperation mit dem Fachbereich Katholische Theologie der Goethe-Universität einen gemeinsamen dualen Masterstudiengang „Sozialethik im Gesundheitswesen“ an, der die Studierenden auf die beiden Hochschulcampus von Frankfurt führt. Zudem hat die Deutsche Bischofskonferenz im vergangen Frühjahr das Zentrum für Berufungspastoral (ZfB) von Freiburg nach Sankt Georgen mit unter der Leitung von Clemens Blattert SJ verlegt. Um den Berufungscampus, der sich an der Hochschule bildet, weiter auszubauen, ist ein berufsbegleitender Studiengang geplant. Im kommenden Sommer starten die Hochschule und das Institut für Weltkirche und Mission eine Summer School in Kooperation mit dem Hekima University College in Nairobi .
Nach der Begrüßung hielten Provinzial P. Bernhard Bürgler SJ und der Vorsitzende des AStA Christian Jager zwei kurze Grußworte. Provinzial P. Bürgler betonte vor allem die universalkirchliche Bedeutung der PTH Sankt Georgen. Er bezeichnete diese als „Start-up“ für eine neue Kirche, einen Ort, an dem die Grundlage für einen Wandel gesetzt werden könne, was in der Kooperation von Berufungscampus und Hochschulcampus Gestalt gewinnt. Ein großer Dank ging an alle, die sich in Sankt Georgen diesen Herausforderungen annehmen.
„Wer nicht zweifelt, wird nicht überzeugt“, dieses Zitat von Friedrich Hölderlin stand im Zentrum des kurzen Grußwortes von Christian Jager, dem Vorsitzenden des AStA. Mit seinen Worten wolle er die Gäste zum Zweifeln, hinterfragen und sortieren – nicht zu verwechseln mit dem Leugnen – auffordern. Nur durch dieses Zweifeln könne man zu wirklichen Überzeugten werden.
Daraufhin folgte der Festvortrag „Achse des Scheiterns: Wie der nahe Osten näher an Europa rückt“ von Dr. Rainer Hermann. Der deutsche Islamwissenschaftler und Journalist der F.A.Z. in der politischen Redaktion ist ausgewiesener Kenner des Nahen Ostens und der islamischen Welt. Der Vortrag beschäftigte sich mit der Scheinstabilität der neuen arabischen Länder und der Dysfunktionalität des alten Arabiens. Es zeigen sich drei Herausforderungen, denen sich die Länder stellen müssten: dem Klimawandel, dem Wachstum der Bevölkerung und dem Wandel in der Nachfrage fossiler Energien. Neben dieser Darstellung lag der zweite Fokus auf den Abraham-Abkommen, d.h. den Abkommen zwischen Israel und einzelnen arabischen Staaten. Zum Abschluss stellte Rainer Hermann die Aufgabe Europas in Bezug auf diesen Konflikt dar. Durch Migration und Klimafolgen ist Europa nicht unbetroffen von den Entwicklungen in den arabischen Ländern und muss damit ein eigenes Interesse an der Eskalationsprävention haben. Der lebendige Vortrag begeisterte die anwesenden Gäste und ermöglichte einen Einblick in gesellschaftliche und politische Strukturen der arabischen Welt.
Der festliche Abend, musikalisch gerahmt durch Mane Hartyunyan auf dem Duduk, wurde mit einem Empfang auf der Piazza vor der Hochschule abgerundet.



