Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Bernhard Knorn SJ

In seiner Eröffnung würdigte der Rektor der Hochschule Prof. Dr. Thomas Meckel das Engagement von Prof. Knorn für die Hochschule. Zudem hob der Rektor die Auslandserfahrungen hervor, die P. Knorn unter anderem im Sudan, in den USA und in Kuba gesammelt hat. Er lehrt seit 2018 an der Hochschule Sankt Georgen und habilitierte sich 2022 mit einer Arbeit zum Thema „Jesuitenscholastik des 16. Jahrhunderts im Dienst der Reform“ in Freiburg. Vergangenes Jahr wurde er zum Professor für Dogmatik und Ökumenik ernannt.

Seine Antrittsvorlesung stellte Prof. Knorn unter den Titel „Kirche im freien Fall? Ignatianische Ansatzpunkte für eine Ekklesiologie in spannenden Zeiten“. Die Kirche befinde sich in spannenden, oder eher angespannten Zeiten. Der letzten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung zufolge seien nicht nur die Mitgliederzahlen gesunken, sondern auch das Vertrauen in die Kirche. All dies würde zu existentiellen Fragen für die Ekklesiologie führen: Von welchen Orten her lässt sich die Kirche künftig neu denken? Wie kann eine überzeugende Ekklesiologie entstehen, die auch die Erneuerung der Kirche fördert? Auf welcher Grundlage entsteht dann eine neue Ekklesiologie?

Dazu stellte Prof. Knorn mit Blick auf Jesuitentheologen aus fünf Jahrhunderten Ansatzpunkte vor, die zu einer sachgemäßen, überzeugenden und erneuerungsfähigen Ekklesiologie führen können. Der erste ist religio als das Denken der Kirche auf Grundlage der Gottesbeziehung, vor allem aber auch das Prinzip sentire cum ecclesia, das Fühlen mit der Kirche. So müsse die Kirche aus dem Kontext eines geistlich-kirchlichen Lebens entstehen und so könnten aus dieser existenziellen Verortung drängende Fragen theologisch durchdacht werden. Der zweite, mit fontes überschrieben, ist die Orientierung an den Quellen des Glaubens, die gerade in kirchlichen Krisenzeiten wichtig sei. So sei es auch heute wichtig, die Ekklesiologie in der Schrift und späteren theologischen Deutungen zu verankern und somit neue Klarheit zu gewinnen. Dabei böten diese „klassischen Texte“ die Möglichkeit, dass man mit ihnen gleichsam leben könnte, sodass sich in ganz verschiedenen Zeiten Sinn und ein tiefes Verstehen der Situation einstelle und zur Person Jesu Christi hinführe. Als dritten Ansatz stellte Prof. Knorn communicatio vor: Dialog. Dies verband er mit dem ignatianischen Prinzip, dass Jesuiten an die Grenzen der Gesellschaft und zu Fremden gehen sollen. Dies gelte aber nicht nur für Jesuiten, sondern für die Kirche insgesamt. Nur so könnte interkulturell-kommunikativ eine Weltkirche entstehen.

Mit diesen Ansätzen ließen sich auch die eingangs gestellten Anfragen klären. Da sich für die Mehrheit der Katholiken die Kirche nicht mehr in der Liturgie abspiele, müssten neue Orte gefunden werden. Diese könnte man in einer pneumatologischen oder befreiungstheologischen Ekklesiologie finden, die sich beide auf eine stark ausgeprägte religiöse Form beziehen. Eine neue Überzeugungskraft könnte durch Dialog wachsen. Das diene nicht der Profilschärfe zur Abgrenzung, sondern der katholischen Weite und dem Zugehen auf die wirklich Ausgegrenzten. Die Grundlagen für die Ekklesiologie, so zeige der Blick auf die Jesuitentheologen, sei weniger eine Verständigung über die Quellen, als mehr ein Leben in und mit der Schrift sowie den Kirchenvätern.

Musikalisch gerahmt wurde der Abend von David Tasa an der Trompete und Åke Wahlberg am Klavier mit Musik von Georg Friedrich Händel, Karl Jenkins und William Christopher Handy. Abgerundet wurde der Abend im Anschluss an den gut besuchten Festakt mit einem Empfang im Atrium der Hochschule. 

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