Aufgaben, Geschichte und Bestände
der Bibliothek Sankt Georgen


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Aufgaben

Die Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen dient als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Informationsversorgung für Forschung, Lehre und Studium an der Hochschule Sankt Georgen. Über die klassischen Angebote einer wissenschaftlichen Bibliothek hinaus erschließt und vermittelt sie den Zugang zu relevanten Ressourcen elektronischer Informations- und Datensysteme. Neben den Angehörigen der Hochschule Sankt Georgen steht sie auch allen anderen Interessierten offen.

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Geschichte und Bestände

Der Gesamtbestand der Bibliothek der 1926 gegründeten Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen beträgt derzeit 455.830 Bände, 609 laufend gehaltene Zeitschriften, 118 Handschriften, 1.775 Mikroformen, ca. 26.000 elektronische Zeitschriften und Serien und ca. 30.000 Onlinedokumente (Stand 31.12.2016). Mit 212 Inkunabeln (im ISTC nachgewiesene Titel), ca. 2.740 Bänden aus dem 16. Jh., ca. 8.150 Bänden aus dem 17. Jh., ca. 23.000 Bänden aus dem 18. Jh. und ca. 68.000 Bänden aus dem 19. Jh. verfügt die Bibliothek über einen beträchtlichen Altbestand. Dieser historische Bestand verteilt sich auf drei Hauptgruppen:

1. Bibliothek Valkenburg

Ignatiuskolleg Valkenburg
Ignatiuskolleg Valkenburg (Bibliotheksanbau rechts oben)

1863 hatte der Jesuitenorden das säkularisierte Kloster Maria Laach erworben und zum Collegium Maximum der deutschen Provinz ausgebaut. Als das im Rahmen des Kulturkampfes erlassene "Jesuitengesetz" vom Juli 1872 den Orden aus dem Gebiet des Deutschen Reiches verbannte, emigrierten die deutschen Jesuiten nach England und in die Niederlande. 1894 gründete die Gesellschaft Jesu das Ignatiuskolleg in Valkenburg/Niederlande, ein philosophisch-theologisches Studienhaus des Ordens. Die auf die Exilorte verteilten Buchbestände wurden hier zusammengeführt und in der Folgezeit stark vermehrt, sodass die Bibliothek des Ignatiuskollegs zu einer der größten Bibliotheken in den Niederlanden wurde. Da sich die Nationalsozialisten nach der Enteignung 1942 nicht mit den holländischen Verbündeten über den Standort einigen konnten, verblieb die Bibliothek im Ignatiuskolleg und kam 1959/60 größtenteils in die Bibliothek Sankt Georgen.

Bibliothek Valkenburg
Bibliothek Valkenburg

Die Bibliothek Valkenburg umfasst ca. 150.000 Bände, davon ca. 57.000 Bände Altbestand. Zwei Drittel der Sammlung sind separat aufgestellt und in einem eigenen Zettelkatalog erfasst, der nach und nach in den Sankt Georgener Onlinekatalog eingearbeitet wird. Im Rahmen eines DFG-Projektes wurde die Valkenburger Jesuitica-Sammlung komplett im Onlinekatalog erschlossen.

2. Bibliothek des Gesamtverbandes der katholischen Pfarrgemeinden Frankfurts

Bereits kurz nach ihrer Eröffnung erhielt die Bibliothek Sankt Georgen bedeutenden Zuwachs durch eine Dauerleihgabe des Gesamtverbands der katholischen Pfarrgemeinden im ehemaligen Stadtgebiet der früheren Freien Reichsstadt Frankfurt. Die Bücher aus dieser ca. 15.000 Bände umfassenden Sammlung sind sehr unterschiedlicher Herkunft. Sie stammen aus der Bibliothek des säkularisierten Dominikanerklosters, aus Restbeständen der Bibliothek des Kapuzinerklosters, aus dem Besitz des Frankfurter Dompfarrers Ernst Franz August Münzenberger oder sind als Geschenk oder Nachlass in den Besitz des Gesamtverbandes übergegangen.

Die Bestände wurden in Sankt Georgen katalogisiert und systematisch geordnet. Die Sammlung ist im Magazin separat aufgestellt und im alphabetischen Zettelkatalog nachgewiesen.

3. Hochschulbibliothek Sankt Georgen

Hochschulbibliothek Sankt Georgen
Hochschulbibliothek Sankt Georgen (ab 1927)

Die Aufhebung des Jesuitengesetzes 1917 und die damit verbundenen Überlegungen, das Ordensstudium wieder nach Deutschland zu verlegen, führten 1926 zur Gründung der Hochschule Sankt Georgen. In der ehemaligen Remise des in Frankfurt-Sachsenhausen erworbenen Anwesens wurde eine Handbibliothek mit grundlegenden Werken für den Studienbetrieb eingerichtet. Diese Bibliothek wuchs langsam durch weitere Buchkäufe, hinzu kamen ältere Literatur aus Exaten (bis 1927 Sitz des Tertiats der deutschen Provinz) und abgegebene Bücher aus dem Valkenburger Ignatiuskolleg.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war die Hochschule und mit ihr die Bibliothek in ihrer Existenz bedroht, es gelang aber, wichtige Teile des Buchbestandes in verschiedene Verstecke auszulagern und vor dem Zugriff der Gestapo zu schützen. Die in Sankt Georgen verbliebenen Bücher wurden bei Bombenangriffen weitgehend zerstört.

Nach dem Krieg konnte der Bestand wieder zusammengeführt und durch Bibliotheken aus aufgelösten jesuitischen Niederlassungen in Büren/Westfalen und Aachen wesentlich ergänzt werden. Während die für den Hochschulbetrieb wichtigen Werke kontinuierlich erworben wurden, wuchs der historische Bestand vor allem durch wiederholte Eingliederungen von Büchersammlungen aus anderen Jesuitenbibliotheken und Schenkungen von Privatpersonen. Mit dem Nachlass von P. Anton Heinen SJ verfügt die Bibliothek Sankt Georgen zudem über einen islamwissenschaftlichen Spezialbestand.

Ausführliche Informationen zu Geschichte und Altbestand der Bibliothek Sankt Georgen enthält das "Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa".

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Sammelschwerpunkt Jesuitica

Ignatius: Exercitia spiritualia. Dillingen, 1582
Ignatius: Exercitia spiritualia. Dillingen, 1582

Die Gesellschaft Jesu wuchs schon bald nach ihrer Gründung im 16. Jh. zu einem zahlenmäßig enorm starken Orden heran. Ihre Mitglieder übernahmen wichtige Positionen in der Gegenreformation, gründeten Schulen und Kollegien im gesamten Europa und waren weltweit als Missionare tätig. Der mächtige Jesuitenorden war dabei nicht unumstritten, sondern stand jahrhundertelang im Mittelpunkt heftiger Auseinandersetzungen innerhalb und außerhalb der Kirche. Die wechselvolle Geschichte der Gesellschaft Jesu spiegelt sich in vielen Schriften wider. Die Bibliothek der Hochschule Sankt Georgen besitzt als größte Jesuitenbibliothek im deutschen Sprachraum eine umfangreiche Sammlung an Jesuitica.

Diese Jesuitica sind als separate Sammlung in den Signaturgruppen "Jesuitengeschichte" (Ci bzw. Vbg Ci mit weiteren Untergruppen) und "Jesuitenbiographien" (Chi bzw. Vbg Chi) aufgestellt. Dabei überwiegen Darstellungen über den Jesuitenorden in verschiedenen Regionen und Missionsländern sowie einzelne Jesuiten, während die in ebenso großer Zahl vorhandenen von Jesuiten verfassten Werke je nach Thema auf alle übrigen Signaturengruppen verteilt sind. Ein weiterer Schwerpunkt der Sammlung ist die Literatur zur Verfolgung der Jesuiten und der damit verbunden Streitschriften für und gegen den Jesuitenorden. Die breit angelegte Sammlung umfasst Drucke aus den ersten Jahrhunderten des Ordens, viele ordensinterne Schriften (z. B. Ausgaben der Constitutiones Societatis Jesu et normae complementariae, der Epitome Instituti Societatis Jesu, der Ratio atque institutio studiorum Societatis Jesu), Provinzkataloge sowie zahlreiche und zum Teil seltene Kleinschriften. In der Bibliothek Valkenburg überwiegen Titel aus dem 19. Jh., die Auskunft über die Rolle des Jesuitenordens in der Zeit des Kulturkampfes und des Ordensverbotes von 1872 geben.

Constitutiones Societatis Iesu. Rom, 1583
Constitutiones Societatis Iesu. Rom, 1583

Die Jesuitica-Sammlung der Bibliothek des ehemaligen Ignatiuskollegs in Valkenburg wurde im Rahmen eines DFG-Projektes im Verbundkatalog des Hessischen Bibliotheksinformationssystems (HeBIS) bereits komplett erschlossen. Die Jesuitica der Hochschulbibliothek Sankt Georgen sind ebenfalls vollständig im Verbundkatalog nachgewiesen.

Die Jesuitica bilden aber nicht nur eine historische Sammlung. Vielmehr pflegt und erweitert die Bibliothek Sankt Georgen diesen Spezialbestand kontinuierlich als Sammelschwerpunkt auf an spezialisierter Forschung ausgerichtetem Niveau. In die Sammlung werden sowohl regulär im Buchhandel erschienene Titel als auch graue Literatur aufgenommen. Das besondere Augenmerk gilt dabei nicht zuletzt fremdsprachigen Titeln, die häufig aus dem osteuropäischen oder lateinamerikanischen Sprachgebiet stammen. Das Spektrum der Sammlung reicht damit von wertvollen frühen Drucken der Werke des Petrus Canisius bis hin zu einem indischen Comic über Franz Xaver. Wer Literatur über den Ordensgründer Ignatius von Loyola oder andere Jesuiten, die Geschichte und die Struktur der Societas Jesu, ihr Wirken in den Missionen und Kollegien, über Jesuitententheater, Jesuitenarchitektur und die Rolle der Jesuiten heute sucht, findet in der Bibliothek der Hochschule Sankt Georgen hervorragende Voraussetzungen.

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