3. Theologisches Abendgespräch

„Wir könnten auch anders. Vom Glauben sprechen im Horizont seiner Optionalität“, mit diesem Thema wurden die TeilnehmerInnen des dritten Theologischen Abendgesprächs, das am vergangenen Mittwoch, den 23.06.2021, stattgefunden hat, eingeführt.

Die Moderation des Abends wurde von Dr. Niccolo Steiner SJ übernommen. Dieser konkretisierte das Thema in seiner kurzen Einführung und stellte die Frage in den Raum: Wie können wir anderen und uns selbst helfen, über Glauben zu sprechen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, stellten Prof.in Dr. Annette Langner-Pitschmann und Prof.in Dr. Katharina Karl in zwei Impulsvorträgen ihre Standpunkte dar.

Prof.in Dr. Annette Langner-Pitschmann thematisierte in ihrem Vortrag drei Schwerpunkte. In ihrem ersten Schwerpunkt setzte sie sich mit der Aussage auseinander, dass Glaube nur eine Option unter vielen sei und, wie diese Aussage zu verstehen ist, beziehungsweise, wie mit dieser umzugehen sei. Den Abschluss dieses ersten Schwerpunkts formulierte sie in der These, dass das Sprechen vom Glauben immer auch als „tröstende Rhetorik“ (Hans Blumenberg) verstanden werden kann und sich des bleibenden Abstands zur Wirklichkeit Gottes bewusst bleiben muss. Einen weiteren Aspekt, den Langer-Pitschmann anführte, war, dass vom Sprechen von Glauben erwartet werde – sowohl innerkirchlich als auch außerhalb von Kirche – , dass es für die Menschen der Moderne verständlich sei. Es ginge hierbei jedoch nicht um das Sprechen an sich, sondern vielmehr darum, dass sich die Haltung der Sprechenden ändern müsse – zu einer Haltung des Respekts. Der letzte Schwerpunkt führte die These an, dass die Erfahrung des Menschen mit Gott einerseits und die dogmatische Versprachlichung dieser Erfahrung andererseits als ein dynamischer, dialektischer Prozess aufzufassen sind. Prof.in Dr. Katharina Karl ging in ihrem Vortag auf das Spannungsfeld zwischen Klarheit und Sensibilität ein. Um sich diesem genauer anzunehmen, führte sie dies in drei Kernpunkten weiter aus. Der erste Kernpunkt befasste sich mit verschiedenen Kommunikationsstrategien. Im zweiten Kernpunkt führte sie die These weiter aus, dass diese Kommunikationsstrategien auf Bilder der Bibel bzw. genauer gefasst auf Bilder von Offenbarung zurückzuführen seien. Und stellte durch diese These klar, dass im Gespräch über Glauben ein Perspektivwechsel oft nötig sei. Genauso wie Langer-Pitschmann befasst sich der dritte Kernpunkt mit dem Thema der Haltung. Als SprecherInnen über Glauben müssen wir die Haltung annahmen und einüben, unserem Gegenüber Bewegungsspielraum über die unterschiedlichen Meinungen zu geben. Prof.in Dr. Katharina Karl stellt als Abschluss ihres Vortrages das Plädoyer auf, dass es notwendig sei, zuzuhören und in Zwischentönen zu kommunizieren. Dr. Niccolo Steiner SJ brachte zum Abschluss des Abends, bevor die TeilnehmerInnen die Möglichkeit bekamen, Fragen zu stellen, noch zwei weitere Impulse an, die kurz diskutiert wurden. Als erste These stellte er dar, dass es im beruflichen Kontext oft schwerfalle, über persönliche Erfahrungen zu sprechen, da sie als Erinnerungen – durch die Kontexte, in denen sie erzählt wurden, – überformt würden. Die zweite These befasste sich mit der Frage, ob es unterschiedliche Wahrnehmungen über Kommunikation zwischen Männern und Frauen gebe.

Der letzte Gesprächsabend der Reihe findet am Mittwoch, 07.07.2021, von 19:00 bis 20:30 Uhr statt. Thema des Abends ist: „Verstehen und Missverstehen im Gespräch zwischen Konfessionen, Religionen und Staat.“ Im Gespräch sind Prof. Dr. Heinrich de Wall, Prof. Dr. Heribert Hallermann, und Prof. Dr. Thomas Meckel. 

Weitere Informationen finden Sie auf unsere Homepage. Die Anmeldung ist unter rektorat(at)sankt-georgen.de möglich.

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