Am 10.-11. September 2026 fand die philosophische Tagung „Religious Language and Communication” in der Aula der Hochschule statt.
Sowohl die Möglichkeit genuiner Meinungsverschiedenheiten im religiösen Bereich als auch die Möglichkeit genuiner Verständigung im Dialog hängen von bestimmten sprachphilosophischen Voraussetzungen ab, die den semantischen Gehalt sowie die referentiellen Eigenschaften religiös gebrauchter Ausdrücke betreffen. Dies wurde bislang nur selten ausdrücklich zum Gegenstand der Diskussion gemacht. Durch eine sprachphilosophische Vertiefung der religionsphilosophischen Diskussion über Meinungsverschiedenheiten und Dialog wollte diese Tagung zur Schließung dieser Forschungslücke beitragen.
Am ersten Tag beleuchtete Michael Scott (Manchester) grundlegende semantische und pragmatische Aspekte religiöser Sprache, während Jacob Hesse (Bochum) gezielt die sprachliche Bezugnahme auf Gott vor dem Hintergrund gegenwärtiger Referenztheorien untersuchte. Oliver J. Wiertz (Sankt Georgen) zeigte überzeugend, wie Habermas’ Idee der Übersetzung religiöser Gehalte in eine säkulare Sprache in ein Dilemma führt, dem man nur durch eine Absage an bestimmte „nachmetaphysische“ Prämissen entkommen kann. Im Vortrag von Lorraine J. Keller (Philadelphia) ging es um apophatische Aspekte der Gottesrede und um die Frage, wie sich diese an der Schnittstelle zwischen Semantik und Pragmatik verhandeln lassen.
Der zweite Tag war dem Themenblock „Weltanschauung und Dissens“ gewidmet. Mikael Stenmark (Uppsala) beleuchtete den religiös-säkularen Dialog ausgehend vom Weltanschauungsbegriff, während Winfried Löffler (Innsbruck) für eine Deutung religiöser Aussagen argumentierte, wonach diese auf der Ebene weltanschaulicher Überzeugungen zu verorten sind. Åke Wahlberg (Sankt Georgen) trug eine differenzierte semantische Analyse religiöser Meinungsverschiedenheiten vor, während Marc Andree Weber (Mannheim) für die Alternativlosigkeit der sogenannten „Equal Weight View“ in der Debatte über peer disagreement argumentierte. Die Tagung wurde durch Amber Griffioen (Konstanz) mit einem Vortrag beschlossen, der sowohl die generelle Plausibilität als auch die pastorale Fruchtbarkeit von Meister Eckharts Deutung des Gottesbegriffs aufzeigte.
Die Relevanz einer sprachphilosophisch informierten Religionsphilosophie wurde nicht nur durch die lebendigen Diskussionen unterstrichen, sondern auch durch die Sichtbarmachung zahlreicher Querbezüge zwischen aktuellen sprachphilosophischen Debatten einerseits und neueren religionsphilosophischen Überlegungen zu Weltanschauungsdissensen und zur Gottesrede andererseits.
Tagungsbericht „Religious Language and Communication”



