Leserbrief von Rektor Prof. Wolfgang Beck und Dekan Prof. Christoph Nebgen

Leserbrief in der F.A.Z. vom 08.04.2026

zu „Sola structura“ von M. Heinig, C. Markschies und S. Schaede vom 30.03.2026


Mit Dankbarkeit haben wir den Beitrag der Kollegen Hans Michael Heinig, Christoph Markschies und Stephan Schaede vom 30.03.2026 zur Zukunft der universitären Theologie wahrgenommen. Angesichts der dramatisch sinkenden Zahlen von Studierenden und von NachwuchswissenschaftlerInnen, die sich auf freie Stellen der wissenschaftlichen Theologie bewerben, erscheint das Beharren auf einem einmal erkämpften Status quo unangemessen. Das gilt allerdings über die von den Kollegen skizzierten Prozesse hinaus, so dass auch zu fragen ist, ob die verfestigte Abgrenzung von universitären Fakultäten und kirchlichen Hochschulen den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts entsprechen kann. In einem Selbstverständnis der großen christlichen Kirchen und der evangelischen wie katholischen Theologie, das auf ein konstruktives und am Gemeinwohl orientiertes Mitgestalten des gesellschaftlichen Lebens ausgerichtet ist, erscheinen solche Abgrenzungen und Rückzugsphantasien unangemessen und gerade für die Kirchen und Theologien wenig lebensdienlich. Für die katholische Theologie in Frankfurt lässt sich sagen, dass jenseits der Grenzziehungen früherer Generationen längst an kooperativen Formaten wissenschaftlicher Institutionen gearbeitet wird. Dazu gehören auch weitreichende Bemühungen, unterschiedliche konfessionelle, religiöse und geisteswissenschaftliche DialogpartnerInnen in diese gemeinsame Suche einzubeziehen. Wer angesichts der krisenbestimmten christlichen Kirchen meint, die wissenschaftlichen Theologien aus dem universitären Leben herausdrängen und abwickeln zu müssen, verkennt ein wichtiges Existential menschlichen Lebens, wie auch pluraler Gesellschaften des 21. Jahrhunderts. Theologien in ihrer wissenschaftlichen Formation neu aufzustellen, ist das Gebot der Stunde. Sie abzuwickeln schadete der Universität, wie der Gesellschaft. Statt ‚sola structura‘ also mehr Mut zum ‚magis‘ in jeglicher Hinsicht.




Prof. Dr. Christoph Nebgen, Dekan des Fachbereichs Kath. Theologie der Goethe-Universität, Frankfurt am Main

Prof. Dr. Wolfgang Beck, Rektor der Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt am Main

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