Am Mittwoch, dem 28. Juni 2023, hatte die Hochschule Sankt Georgen zum vierten und letzten Abendgespräch dieses Semesters geladen. Das Thema lautete: „Frauen in kirchlichen Leitungsämtern Perspektiven nach dem Synodalen Weg“. Die Diskussionsgäste waren Margit Eckholt, Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie in Osnabrück, und Helmut Hoping, Professor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft in Freiburg, die Moderation des Abends hatte Professor Dirk Ansorge.
In ihrem Eröffnungsstatement betonte Professorin Eckholt die große Bedeutung der Frage nach der Zulassung von Frauen zum sakramentalen Amt für den ökumenischen Dialog. Sie berichtete von ihrer Arbeit im Forum 3 „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ des Synodalen Weges. In Bezug auf die Verabschiedung der Grund- und Handlungstexte sprach Prof.in Eckholt von einem „historischen Moment“. Ausgehend von einer amtstheologischen Reflexion des Zweiten Vatikanischen Konzils und dem biblischen Zitat aus Gal 3,28 („Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“), betonte die Osnabrücker Theologin die Gleichheit und Gleichberechtigung aller Menschen. Eckholt sieht darin Anstöße für eine neue Ämtertheologie. In Bezug auf die Argumentation für einen Ausschluss der Frauen vom sakramentalen Amt kritisierte sie die lehramtliche Betonung der „natürlichen Ähnlichkeit“ des Amtsträgers mit dem Mann Jesus von Nazareth. Eine amtliche Christusrepräsentanz sei unabhängig vom Geschlecht möglich. Christusrepräsentanz erwachse aus einem Gerufen-Sein von Christus und nicht aus der Geschlechtlichkeit des Menschen.
Professor Hoping betonte in seinem Statement das Argument der natürlichen Ähnlichkeit (naturalis similitudo), das in der Erklärung Papst Pauls VI. „Inter insigniores“ von 1976 als Ausschlusskriterium geltend gemacht wird. Wie die Elemente der Eucharistie (Brot und Wein) nicht verändert werden können, so steht auch die amtliche Repräsentation Jesu durch einen Mann nicht zur Disposition, so Hoping. Basis des Arguments der naturalis similitudo sei die biblische Anthropologie der Zweigeschlechtigkeit. Der geschlechtlichen Identität Jesu komme aufgrund der Inkarnation eine besondere Bedeutung in der sakramentalen Heilsökonomie zu. Mit Verweis auf das Apostelkonzil (Apg 15) betonte Hoping, dass dem Jude-Sein Jesu nicht die gleiche Bedeutung zukomme wie seinem Mann-Sein. Da auch in der Kirche als Leib Christi die Geschlechtlichkeit nicht aufgehoben sei, könne auch Gal 3,28 ist nicht als Argument für die Zulassung von Frauen zum sakramentalen Amt herangezogen werden. Die derzeit unter dem Stichwort „gender“ geführten Neubestimmung der Geschlechtlichkeit spiegele die aktuelle „Krise der Repräsentation“ wider und gefährde die sakramentale Symbolik.
Bei der anschließenden Diskussion zwischen Prof.in Eckholt und Prof. Hoping ging es vor allem um die Geschlechtertheologie und die Frage nach der Christus-Repräsentanz des Priesters. Umstritten waren auch die Fragen nach der Entwicklung lehramtlicher Aussagen und der Notwendigkeit von Inkulturation des biblischen Zeugnisses. Es zeigten sich die bleibenden Herausforderungen des Synodalen Weges in Deutschland für die Weltkirche.









