Die kürzlich erfolgte Entzifferung der auf das 3. Jh. n. Chr. datierten ‚Frankfurter Silberinschrift‘, welche ihren eindeutig christlichen Inhalt offenbart und sie nach ersten Einschätzungen zum ältesten Zeugnis des Christentums nördlich der Alpen macht, war Anlass für einen Besuch der Studierenden des Proseminars „Methoden der Kirchengeschichte“ im Archäologischen Museum Frankfurt, in dem die Inschrift seit dem 18. Dezember 2024 zu sehen ist.
Unter der fachkundigen Leitung des Museumsdirektors Dr. Wolfgang David und begleitet von der Seminarleiterin Dr. Giada Sorrentino sowie von Prof. Dr. Johannes Arnold konnten die Studierenden die Inschrift und die Silberkapsel, die sie enthielt, betrachten und erhielten wichtige Informationen darüber.
Dr. David begann seinen interessanten Vortrag, indem er den Studierenden die Orte und das Ausmaß der römischen Präsenz bis zum 3. Jh. auf dem Gebiet der heutigen Stadt Frankfurt erläuterte: zwischen dem 1. und 3. Jh. n. Chr. blühte in dieser Region die bedeutende Stadt Nida, Hauptzentrum der civitas Taunensium. Vor der Nordwestecke der Stadtmauer wurde die Inschrift im Jahr 2018 gefunden. Sie war Teil eines Silberamuletts, das sich im Körpergrab eines Mannes befand.
Anschließend schilderte Dr. David die hochmodernen digitalen Methoden, mit denen das eingerollte Silberblech virtuell entfaltet, entziffert und rekonstruiert werden konnte. Die entdeckte Inschrift, die Christus preist und seinen Schutz demjenigen verheißt, der sich dem Willen des Herrn der Welt hingibt, bietet Anlass, bisherige Vorstellungen von der Ausbreitung des Christentums in der Germania Superior genannten Provinz des Römischen Reiches in Frage zu stellen.
Schließlich ging Dr. David auf die Fragen ein, die die Inschrift noch immer aufwirft, sowie auf die Debatten, die über ihre Bedeutung geführt werden.
Für die Studierenden stellte diese Vor-Ort-Vorlesung eine außergewöhnliche Gelegenheit dar, die Kategorien und Methoden einer der wichtigsten Hilfswissenschaften der Kirchengeschichte, der Epigraphik, die in den ersten Wochen des Proseminars behandelt worden war, in der Praxis angewendet zu sehen. Daher war ihre Beteiligung lebhaft, was sich in zahlreichen Fragen zur Bewertung dieser in Überresten enthaltenen Primärquelle der Geschichte von Nida ausdrückte.
Der Austausch setzte sich im Rahmen eines Abendessens mit Dr. David fort.
Herzlichen Dank an Dr. David für die nette Einladung und die kompetente Führung und an den Freundeskreis Sankt Georgen, der sich bereit erklärt hatte, den Besuch bei Bedarf finanziell zu unterstützen!



