Abschiedsvorlesung Prof. P. Dr. Heinrich Watzka – „Deskriptive oder revisionäre Metaphysik? Überlebensstrategien einer totgesagten Disziplin“

Am Mittwoch, dem 5. Juli 2023, fand um 18:30 Uhr in der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen die Abschiedsvorlesung von Prof. P. Heinrich Watzka SJ statt. Höhepunkt des Abends war sein Festvortrag zum Thema „Deskriptive oder revisionäre Metaphysik? Überlebensstrategien einer totgesagten Disziplin“.

Zu Beginn des Festakts begrüßte der Rektor der Hochschule Prof. Dr. Thomas Meckel alle präsentisch anwesenden und online zugeschalteten Gäste. Der Rektor würdigte in seiner Laudatio insbesondere das umfangreiche wissenschaftliche Wirken von P. Watzka sowie seine zahlreichen Verdienste für Sankt Georgen. In Anlehnung an einen Forschungsschwerpunkt von Prof. P. Watzka – das Verhältnis von Mensch und Maschine – befragte Prof. Meckel die künstliche Intelligenz nach Informationen für eine Laudatio für Prof. P. Watzka. Die zahlreichen falschen, zum Teil kuriosen Informationen, die der Rektor von der künstlichen Intelligenz erhielt, zeigten jedoch, dass die Maschine den Menschen in diesem Kontext noch nicht ersetzen kann. So stellte Prof. Meckel im Anschluss die korrekten Fakten zu Prof. P. Watzkas Leben und Wirken dar:

Geboren wurde Heinrich Watzka am 5. Oktober 1954 in Elz bei Limburg. Zu Abiturzeiten hegte Prof. P. Watzka den Wusch, Eisenbahningenieur zu werden. Nach dem Zivildienst entschied er sich schließlich für ein Theologiestudium, wobei er vier Semester Philosophie in Mainz studierte und danach an die Hochschule Sankt Georgen wechselte. In Sankt Georgen war seit Ende der 1970er Jahre sein Lebensmittelpunkt, auch wenn es ihn für kürzere Zeit nach Münster, München, Hamburg, Berlin, Innsbruck und in die Vereinigten Staaten verschlug. Seit dem Jahr 2007 war er Inhaber des Lehrstuhls für Logik und Metaphysik, zudem galt sein Interesse insbesondere der Sprachphilosophie. Von 2010 bis 2014 war er Rektor der Hochschule und von 2015 bis 2021 Kollegsrektor der Jesuitenkommunität. Im Jahr 2021 verließ er Frankfurt mit dem Ziel Zimbabwe. An der Arrupe Jesuit University in Harare, wo er bereits seit 2019 als Gastprofessor lehrte, macht er seitdem junge Jesuiten mit der Philosophie vertraut. Am 31. März 2023 wurde Prof. P. Watzka emeritiert und von seinen Aufgaben als Professor in Sankt Georgen entpflichtet.

Die Abschiedsvorlesung von P. Watzka stand unter dem Thema „Deskriptive oder revisionäre Metaphysik? Überlebensstrategien einer totgesagten Disziplin“, die eine Tour d'Horizon der Philosophie, angefangen bei Platon und Aristoteles bis hin zu Heidegger und Habermas, bot. Aufhänger des Vortrags war Nietzsches berühmte Fabel aus der Götzendämmerung („Wie die »wahre Welt« endlich zur Fabel wurde. Geschichte eines Irrtums“), in der Nietzsche eine Verfallsgeschichte des Fachs aufzeigt. Platon ist der paradigmatische Vertreter eines revisionären Ansatzes, während Aristoteles einen deskriptiven Ansatz verfolgte. In Nietzsches Fabel fehlt Aristoteles. P. Watzka zeichnete die lange Wirkungsgeschichte des Platonismus in Gestalt der mathematisierbaren Naturwissenschaft und des Physikalismus nach, für den die Naturwissenschaft das „Maß aller Dinge“ (W. Sellars) darstellt. Was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, ist demgegenüber eine Welt des Scheins. Es sind Aristoteles und Thomas von Aquin, die der wahrnehmbaren Wirklichkeit den ontologischen Primat vor den Idealisierungen der exakten Naturwissenschaft einräumen.

Musikalisch gerahmt wurde der Abend von Sabine Krams am Violoncello und Siegfried Dietrich am Kontrabass unter der musikalischen Leitung von Prof. Helmut Föller mit Musik von Rossini und Mozart. Abgerundet wurde der Abend im Anschluss an den gut besuchten Festakt mit einem Empfang im Atrium der Hochschule.

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