Georg Essen: Hellenisierung des Christentums? Zur Problematik und Überwindung einer polarisierenden Deutungsfigur

Der Beitrag beschäftigt sich mit der neueren, durch die „Regensburger Vorlesung“ von Papst Benedikt XVI. und die Kontroverse zwischen Jürgen Habermas und Johann Baptist Metz ausgelösten Debatte um die sogenannte „Hellenisierung des Christentums“. Auf der Grundlage einer Analyse der deskriptiven Aspekte und normativen Implikationen dieses Begriffs gelangt der Autor dieses Artikels zu der These, dass die Denkfigur einer „Hellenisierung des Christentums“ keine deutungsstarke historiographische Kategorie zur Analyse und Interpretation der Transformationsprozesse des spätantiken Christentums ist. Ihr Mangel an historischer Präzision und hermeneutischer Differenziertheit sowie die Gefahr der Simplifizierung hochkomplexer Wandlungen und gegenläufiger, teils widersprüchlicher Tendenzen auf dualistische Typologien legen den Schluss nahe, den Begriff der „Hellenisierung“ in der Dogmengeschichtsschreibung nicht weiter zu verwenden.

The Essay deals with the controversy that was launched by Pope Benedicts “Regensburg lecture” and the subsequent debate between Jürgen Habermas and Johann Baptist Metz on the so called “Hellenization of Christianity”. On the basis of an analysis of the descriptive aspects and the normative implications of that concept the author comes to the thesis that the paradigm of the „Hellenization of Christianity” is not a meaningful historiographical category to analyze and interpret the transformation processes of the late antique Christianity. Its lack of historical precision and hermeneutical differentiation in addition to the danger of simplifying highly complex transformations and opposing, even conflicting tendencies to a dualistic typology strongly suggest that the concept of “Hellenization” should no longer be used in the historiography of dogma.


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