Beiträge Heft 1-2020

Christian Stoll: Das Individuelle verstehen. Anmerkungen zu Vittorio Hösles Kritik der verstehenden Vernunft

Der Beitrag setzt sich mit Vittorio Hösles Buch Kritik der verstehenden Vernunft. Eine Grundlegung der Geisteswissenschaften auseinander. Die Leistungen dieses grundlegenden Entwurfes sind darin zu sehen, dass er hermeneutisch arbeitende Wissenschaften und an strenger Begriffsbildung ausgerichtete Philosophie wieder einander annähern kann. Hösle zeigt durchgängig, dass eine transzendentale Reflexion auf das Verstehen zu grundsätzlichen philosophischen Problemen führt und eine Hermeneutik daher nur im Zusammenhang mit diesen erarbeitet werden kann. Kritisch reflektiert wird, dass Hösle sich weitgehend ablehnend auf Hermeneutiken bezieht, die den Schwerpunkt der Geisteswissenschaften nicht im Bereich des noematischen Verstehens sehen wollen. Besonders einseitig fällt Hösles Auseinandersetzung mit dem deutschen Historismus aus. Diese grundsätzliche Reserve hat überdies Konsequenzen für Hösles Auffassung von Religion und Theologie, die abschließend kritisch beleuchtet wird.

The article comments on Vittorio Hösle’s book Kritik der verstehenden Vernunft: Eine Grundlegung der Geisteswissenschaften. It is a major achievement of the book to bring hermeneutical humanities and a strict conceptual philosophy closer together again. Hösle shows that a transcendental reflection on hermeneutical understanding leads to fundamental philosophical problems. It is only in connection with these problems that an adequate hermeneutics can be conceptualized. The article takes a critical stand on Hösle’s rejection of hermeneutics which do not focus on noematic understanding. Hösle’s critique of German historicism seems to be especially unbalanced. This also has consequences for Hösle’s account of religion and theology, which is discussed at the end.

Beiträge Heft 2-2020

Åke Wahlberg: Welche Philosophie braucht die Theologie?

Dieser Beitrag bespricht einen Sammelband, der aus einer Tagung zum Verhältnis zwischen Theologie und Philosophie hervorgegangen ist. Nach einer Diskussion einiger Kapitel, die nicht-analytische Ansätze in der Philosophie thematisieren, wendet sich der Beitrag der analytischen Philosophie zu und fragt nach ihrer Relevanz für die Theologie. Anhand der einschlägigen Kapitel wird die These vertreten, dass analytische Philosophie aufgrund ihrer hohen Standards bezüglich der argumentativen Transparenz und der intersubjektiven Verständlichkeit ein integrales Element theologischer Reflexion ausmachen sollte, nicht zuletzt im Hinblick auf den universalen Anspruch der Theologie.

This contribution discusses an edited volume emerging from a German-speaking conference on the relation between theology and philosophy. First, it critically appraises selected chapters that are concerned with non-analytic approaches in philosophy. It then attends to analytic philosophy and its possible relevance for theology. With reference to pertinent chapters, it argues that the high standards of discursive transparency and intersubjective comprehensibility manifested in analytic philosophy ought to be an integral part of theological reflection, especially in view of the universal aspirations of the latter.

Beiträge Heft 3-2020

Klaus Vechtel SJ: Karl Rahner. Seine Quellen und theologischen Orte

Ausgehend von den verschiedenen Phasen, in der die Werkausgabe Rahners Schrifttum einteilt, können verschiedene theologische Orte und Quellen genannt werden, die für die Erkenntnisgewinnung und Urteilsbildung Rahners maßgeblich sind. Es handelt sich insbesondere um die ignatianische Spiritualität, die Vätertheologie, die neuscholastische Schultheologie, das Problembewusstsein der neuzeitlichen Philosophie von Descartes und Kant bis Heidegger und schließlich die gesellschaftliche Situation von Glaube und Kirche als Ort der „Pastoralität“. Die innere Mitte der gnadentheologischen Grundoption Rahners kann dabei in der Reformulierung der traditionellen Fragestellung nach der analysis fidei gesehen werden.

In view of the different phases of Karl Rahner’s writings, as illustrated in the edition of his works, we can identify different theological loci and sources that are decisive for Rahner’s theological reflection and judgment. In particular, these are the Ignatian spirituality, the theology of the Church Fathers, Neo-Scholastic Theology, modern philosophy (from Descartes and Kant to Heidegger), and finally the social situatedness of faith and the Church as the place of “pastorality”. It thereby becomes clear that the core of Rahner’s basic option in the theology of grace consists in the reformulation of the traditional question of the analysis fidei.

Bernd Irlenborn: Eine neue Variante des Atheismus. Zu Tim Cranes Deutung der Religion

In diesem Beitrag stelle ich zentrale Thesen aus Tim Cranes Buch Die Bedeutung des Glaubens. Religion aus der Sicht eines Atheisten vor und diskutiere sie. Dabei geht es um Cranes Religionsbegriff, seine Kritik an den Neuen Atheisten und die Verhältnisbestimmung von Religion und Wissenschaft. Zuletzt gehe ich kurz auf die Konsequenzen aus Cranes Entscheidung ein, in seinem Buch nicht die Frage nach der Wahrheit, sondern nur die nach der Bedeutung religiöser Aussagen zu untersuchen.

This article discusses The Meaning of Belief. Religion from an Atheist’s Point of View by Tim Crane. I analyze Crane’s concept of religion, his criticism of New Atheism, and the way he conceives of the relation between religion and science. Finally, I briefly explore the consequences of Crane’s decision to examine only the meaning, not the truth, of religious statements.