„Das partikulare Gedächtnis jüdischer Museen“: Ringvorlesung mit Prof. Dr. Mirjam Wenzel

Als Gastrednerin der vierten Ringvorlesung dieses Semesters am 16.12.2021 begrüßten wir Frau Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt. Sie referierte zum Thema „Das partikulare Gedächtnis jüdischer Museen. Jüdische Selbstverständnisse in einer christlichen Mehrheitsgesellschaft“. Die Moderation übernahm Dipl.-Theol. Philipp König OP.

Zum Einstieg fokussierte Wenzel sich auf das „partikulare Gedächtnis jüdischer Museen“, um daraufhin den Wandel der Museen im Laufe der Zeit darzustellen: von der Wunder- und Kunstkammer für Klerus und Adel hin zu einem Lernort für die breite Öffentlichkeit. Nach der allgemeinen Definition des Museums (über die Wortherkunft vom altgriechischen Wort μουσεῖον/museion“: Heiligtum der Musen) zeigte sie die Spannbreite des Selbstverständnisses von Museen zwischen Ort der Erinnerung und Bildungseinrichtung auf. Diese Differenz - und der sensible Umgang damit - steigerten die Diversität und seien besonders für jüdische Museen elementar. Grund dafür sei, dass jüdische Museen oft einen „gereizten Nerv“ treffen, da sie die Themen Migration, Minderheitenschutz und Antisemitismus in der politischen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit ansprechen. 

Es folgte eine kurze Darstellung der Geschichte des Frankfurter Jüdischen Museums, des ersten seiner Art in Deutschland bis zu seiner Zerstörung im Zuge der Novemberpogrome 1938. Ein intensiverer Blick wurde dabei auf das erst 1988 wiedereröffnete jüdische Museum in Frankfurt geworfen. Die Neukonzeptionierung des Museums will insbesondere der großen Vielfalt und Varietät jüdischen Lebens Rechnung tragen. Das erste jüdische Museum 1929 war mit 18.000 Ausstellungsstücken ausgestattet und legte damit das Augenmerk insbesondere auf die Rekonstruktion des Kulturgutes. Im Gegensatz dazu befasst sich das jetzige Museum in Frankfurt vermehrt mit Einzelgeschichten und hebt damit den individuellen und pluralen Aspekt hervor. Zum Abschluss nutzen die TeilnehmerInnen vor Ort die Möglichkeit Fragen zu stellen und in einen Diskurs mit der Referentin zu treten.

Vorschau: 

Die nächste Ringvorlesung wird am Mittwoch, den 12.01.2022, von 18:30 bis 20:00 Uhr zum Thema „Theologische Reflexionen zum Staat Israel und zur Landfrage“ stattfinden. Referent wird Dr. Christian Rutishauser SJ sein, Delegat für Schulen und Hochschulen, Mitglied der Vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum.

Eine Anmeldung ist unter rektorat(at)sankt-georgen.de möglich.

Für eine Teilnahme vor Ort gilt die 2G+-Regel.

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