"Was du siehst, schreibe auf" (Offb 1,11)
Studientag aus Anlass der Präsentation
der sechs Originallithographien von Lovis Corinth
(Schenkung Dr. Hans Schleussner)
Programm des Studientags
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Spender Dr. Hans Schleussner (li) betrachtet die ausgestellten Lithografien.
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Sankt Georgen stellt seit gestern sechs Lithographien zur Offenbarung Johannis von Lovis Corinth (1858 - 1925) aus, die durch eine Schenkung von Dr. Hans Schleussner in den Besitz der Hochschule gekommen sind. Anläßlich dieser Schenkung gestaltete die Kunstkommission der Hochschule zur Eröffnung des Sommersemesters einen Studientag "Was du siehst, schreibe auf! (Offb 1,11)", an dem die Familie Schleussner, Studierende und Lehrende, Freunde Sankt Georgens sowie der Hochschule verbundene Künstler teilnahmen.
Professor Dr. Jüngling SJ führte die etwa 170 Gäste in die apokalyptische Motivik der Visionen des Johannes im die Bibel beschließenden Buch der Offenbarung ein. Dafür stellte er die Grafiken Corinths in Beziehung zu den Texten, aus denen heraus sie entstanden sind. Professor Dr. Mennekes SJ nahm die Zuhörer mit in eine kunsthistorische Reise durch die Motivgeschichte der Apokalypse. Er präsentierte illuminierte Handschriften, Fresken und Fensterbilder und schlug den Bogen zu Lovis Corinth sowie dem Apokalypse-Zyklus von Max Beckmann und die Fotographien Thomas Demands, die derzeit im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt ausgestellt werden.
Den Vormittag gestaltete die Arbeitsgruppe Rezitation unter Christine Findeis-Dorn mit ausgewählten Texten moderner Lyrikerinnen: In Gedichten von Ingeborg Bachmann, Hilde Domin und Nelly Sachs haben Thema und Motive der Apokalypse vielfältigen Niederschlag gefunden. Studierende der Hochschule hatten sich intensiv mit diesen Texten auseinandergesetzt und sie für den freien Vortrag ausgearbeitet.
Beide Vorträge und die Gedichte stellten deutlich die unmittelbare Gegenwartsbezogenheit von Darstellungen der Apokalypse heraus. Künstler haben immer versucht, die spürbaren apokalyptischen Momente ihrer Gegenwart in Bild und Text zu bringen. Texte und Bilder sprechen in verschlüsselten Motiven von der Zeit, in der sie entstanden sind und in diese Zeit hinein, doch die erregende und visionäre Kraft der Apokalypse dringt durch die Geschichte und fordert auch heutige Betrachter und Leserinnen heraus. Die 1916 entstandenen Lithographien zur Offenbarung Johannis zeigen in überbordender Detailfülle die meisterhafte Beherrschung der Linie, doch auch das Wissen um den Abgrund des Todes, die dem Künstler Corinth durch die eigene Biographie vertraut war.
Am Nachmittag führte Professor Dr. Mennekes SJ durch die Ausstellung "Thomas Demand und Max Beckmann" im MMK.Die fotografischen Arbeiten Thomas Demands, setzen sich mit der medialen Betrachtung privaten Unglücks auseinander - die etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führung spürten hier die Gegenwartsbezogenheit apokalyptischer Motive besonders deutlich.
Die Lithographien Lovis Corinths können bis auf weiteres zu den üblichen Öffnungszeiten im Foyer der Bibliothek der Hochschule betrachtet werden.