. .
Logo
Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen

Zeitschrift »Theologie und Philosophie«

Abstracts

2007
 
2008
 
2009
 
2010
 

 

Jahrgang 85 (2010), Heft 1

Alexis Fritz: Philippa Foots Begründung praktischer Rationalität

Philippa Foots Theorie der praktischen Rationalität scheitert trotz einiger bemerkenswerter Denkanstöße zuletzt an einer zu starken Naturteleologie und einem zu schwachen praktischen Vernunftbegriff. Im ersten Teil wird Foots Ansatz als Erwiderung auf die so genannte „humesche Herausforderung“ erörtert. Entsprechend dieser besitzen normative Gründe einen hypothetischen Status. Vor dem Hintergrund des aristotelischen ergon-Arguments wird Foots naturalistischer und moralischer Realismus systematisch entfaltet. Insbesondere wird dabei auf die Funktion der aristotelian categoricals und die Rolle des Tugendhaften in ihrer Theorie eingegangen. Im zweiten Teil wird gezeigt, dass zentrale Argumente gegen Foots Moralphilosophie aufgrund mittlerweile etablierter Bedeutungstheorien ins Leere laufen. Stattdessen kann Foot zum Vorwurf gemacht werden, in ihrer Moralkonzeption den epistemologischen Aspekt des Sein-Sollen-Problems vernachlässigt zu haben. Foot begründet unzureichend die normative Stellung ihrer naturteleologischen Konzeption und reduziert die Funktion praktischer Rationalität auf das bloße Ablesen gegebener Naturziele.
 
Artikel herunterladen
 

Ansgar Moenikes: Zur Theologiegeschichte der biblischen Religion in der
vorexilischen Zeit

Nachdem in Israels frühester Zeit JHWH zunächst als der eine Rettergott Israels verehrt worden war (auf der Ebene des Gesamtvolkes), Salomo aber dann die Verehrung der Götter anderer Völker in den israelitischen Staatskult eingeführt hatte, leitete das Efraimitische Geschichtswerk noch kurze Zeit vor Hosea die Rückbesinnung auf JHWH als den einen Rettergott Israels und damit den Kampf für die ausschließliche Verehrung JHWHs ein. Um 700 vC wurde diese JHWH-Monolatrie vom Ur-Deuteronomium und dem Hiskijanischen Geschichtswerk um die Forderung nach der – von Hiskija eingeführten – Ausübung des (Opfer-)Kultes ausschließlich an dem einen Ort (dem Jerusalemer Tempel) ergänzt. Während in diesem hiskijanischen Anfangsstadium der Kultzentralisation der Kult außerhalb des Jerusalemer Tempels noch als jahwistisch galt, wurde er weitere 80 Jahre später im Zusammenhang mit der erneuten Kultzentralisationsmaßnahme Joschijas als idolatrisch gewertet.

After the worship of YHWH as the one savior god of the Israelites (at the level of the whole people) in the earliest period of Israelite history, Salomo introduced the worship of gods of other peoples into the state cult of Israel. Shortly before the time of Hosea, the “Efraimite History” initiated the return to and reevaluation of YHWH as the only savior god of Israel and thereby the struggle for the exclusive worship of YHWH. Around 700 BCE, the demand for the YHWH-monolatry was expanded by the so-called Ur-Deuteronomy and the “Hezekianic History” to include the practicing of the (sacrificial) cult only at the “one place” (the temple in Jerusalem), a practise established by Hezekiah. In this early stage of cult centralization, the cult practised outside of the temple of Jerusalem was yet taken to be yahwistic, but 80 years later, in the context of the renewed cult centralization by Joschija, it was rejected as idolatric.

 
Artikel herunterladen
 

Ansgar Wucherpfennig S. J.: Jesus Paraclitus: Ursprünge einer johanneischen Theologie des Heiligen Geistes

Wenn das Neue Testament vom Geist spricht, so wird dies oft als nicht personale Kraft verstanden. Die christliche Trinitätstheologie wird demnach als eine unbiblische sekundäre Entwicklung betrachtet. In der Bezeichnung als „Paraklet“ hat das Verständnis des Heiligen Geistes als Person aber seine Wurzeln im Neuen Testament. Paraklet ist für Johannes zunächst Jesus als derjenige, der beim Vater Barmherzigkeit für die Sünden der Menschen erwirkt (1 Joh 2,1). Von Jesus her erhält auch der Heilige Geist in den Abschiedsreden die Bezeichnung Paraklet. Hier zeigen sich die biblischen Ansätze einer Theologie des Heiligen Geistes, die erst von den kappadokischen Kirchenvätern im 4. Jahrhundert für die christliche Theologie fruchtbar gemacht worden sind.
 
Artikel herunterladen
 

Hermann-Josef Sieben S. J.: Griechische Konzilssynopsen bei zwei lateinischen Theologen des 12./13. Jahrhunderts

Konzilssynopsen sind Texte, in denen die Serie der von der Kirche rezipierten ökumenischen Konzilien vorgestellt wird. Weil es solche Texte praktisch nur in der Ostkirche gibt, ist die Frage interessant, wie westliche Theologen auf diese Synopsen reagierten. Der Aufsatz untersucht zwei Beispiele solcher Reaktion aus dem 12. und 13. Jahrhundert, bei Balduin von Canterbury, dem jüngst der bisher als anonym geltende Liber de sectis haereticorum zugeschrieben werden konnte, und bei einem Anonymus aus dem Dominikanerorden, dem Verfasser eines einflussreichen Contra Graecos.
 
Artikel herunterladen
 

Johannes Arnold: „Für eine Dame unerhört“. Bernarda von Nell diskutiert mit Adolf Harnack

Anhand von unveröffentlichten Briefen an die Herausgeber Hans Delbrück (Berlin) und Karl Muth (München) wird im vorliegenden Beitrag nachgewiesen: Bernarda von Nell, die Mutter des Jesuitenpaters und Sozialethikers Oswald von Nell-Breuning, ist die Verfasserin des anonymen Artikels „Wie denkt Professor Harnack über die Enzyklika Pascendi?“ (Preußische Jahrbücher 134/3 [Dez. 1908] 385-396 = Hochland 6/5 [Feb. 1909] 521-530). Ihr Angriff auf Adolf Harnack ist Teil einer über Jahre andauernden, teils kritischen, teils bewundernden Auseinandersetzung mit dem protestantischen Gelehrten. Harnacks Antwort (PrJ 134/3, 396-398 = Hochl. 6/5, 530-532) an die – ihm namentlich bekannte – Angreiferin ist vor dem Hintergrund seiner Unterstützung für das „Bildungsstreben der Frauen“ zu sehen.

Anhang; aus: A. Harnack, Die päpstliche Enzyklika des Jahres 1907. Ein Schlußwort.*

[Man ist] der Enzyklika die Erklärung schuldig, die mir in den Kritiken kaum entgegengetreten ist, daß sie nach langer, langer Zeit von höchster katholischer Stelle die Glaubens- und Weltanschauungsfrage, nicht aber die Frage des Papsttums, in den Mittelpunkt stellt. Wir sind daran gewöhnt worden, von Rom aus vor allem diese Frage uns aufgerückt (sic!) zu sehen; in der Enzyklika aber tritt sie ganz hinter jene andere zurück. Ich stehe nicht an, darin einen Fortschritt zu erkennen. Fast möchte ich sagen, der Papst rüttelt die Gewissen seiner Gläubigen auf! Sollten wir uns darüber nicht freuen? Er zwingt sie freilich alsbald auf einen ganz bestimmten Weg und bringt seine Macht in den Disziplinarvorschriften, die er erläßt, in eine fürchterliche Erinnerung; aber er lenkt ihre Aufmerksamkeit doch auf Glaubensfragen, er lenkt sie auf den „Modernismus“, den er nicht ohne Aufbieten von Kenntnissen eingehend schildert! Er nimmt also die unausbleiblichen Folgen aller geistigen Unruhe in den Kauf, weil er die Sache, den wahren, rechten Glauben, für so wichtig hält. Wäre es ihm nur um die eigene Herrschaft zu tun, so wäre diese Enzyklika das ungeschickteste Schriftstück von der Welt – es ist ihm wirklich um den christlichen Glauben und die rechte Theologie zu tun, wie er sie versteht, also um das Seelenheil seiner Gläubigen! Das soll man nicht verkennen, und darin liegt bei aller Rückständigkeit in bezug auf das Wesen des Wahrheitssinns und der Wissenschaft doch ein erfreuliches Moment. Auch wird ja der Versuch gemacht, den „Modernismus“ zu widerlegen, und so kläglich dieser Versuch auch ausgefallen ist – einige unvermeidliche Schatten und Fehler der modernen Wissenschaft sind nicht ungeschickt benutzt, und auf die Abgründe, die sie umgeben, ist nicht ohne Recht hingewiesen.

Drawing its evidence from hitherto unpublished letters to the editors Hans Delbrück (Berlin) and Karl Muth (München), the present study proves the following fact: Bernarda von Nell, mother of the Jesuit priest and professor of social ethics Oswald von Nell-Breuning, is the author the anonymous article „Wie denkt Professor Harnack über die Enzyklika Pascendi?“ (Preußische Jahrbücher 134/3 [Dec. 1908] 385-396 = Hochland 6/5 [Febr. 1909] 521-530). This attack on Adolf Harnack is part of her continuous, sometimes critical, sometimes admiring discussion of the protestant scholar. Harnack’s reply (PrJ 134/3, 396-398 = Hochl. 6/5, 530-532) to his challenger – known to him by name – should be appreciated in connection with his public support of “women’s pursuit of education”.
___________________________________________

* IWW 2 (1908), Sp. 257-264, hier 262
 
Artikel herunterladen
 

Klaus Schatz S. J.: Pater Erich Wasmann S. J. und die Humanrevolution. In memoriam Pater Rainer Koltermann S. J. († 5. Juli 2009)

Der Biologe (Ameisenspezialist) Erich Wasmann SJ ging in seinem Buch “Die moderne Biologie und die Entwicklungstheorie” (1904) und in seinen Berliner Vorträgen 1907, in denen er sich mit dem Monisten Ernst Haeckel auseinandersetzte, das Problem der Evolution an. In Bezug auf die Entwicklung des Menschen vertrat er in beiden eine offene Position: Er hielt die Entwicklung des Menschen aus dem Tierreich für (noch) nicht erwiesen, rechnete jedoch damit, dass sie eines Tages bewiesen werden könnte, und betonte, dass sie nicht prinzipiell der Offenbarung widerspreche. Dies führte zu Klagen in Rom. Der Jesuitengeneral Wernz erklärte, es sei “theologice certum”, dass der Mensch auch dem Leibe nach nicht aus dem Tierreich abstammen könne. Wasmann solle daher in künftigen Neuauflagen seines Buches nur die biologische Seite behandeln und Spekulationen über die prinzipielle Vereinbarkeit einer Humanevolution mit der Offenbarung unterlassen. Dies hatte zur Folge, dass es keine Neuauflage mehr gab.

The Jesuit and biologue (specialist of ants) Erich Wasmann dealt in his book “Die moderne Biologie und die Entwicklunstheorie” (1904) and in his Berlin conferences in 1907, dealing with the monist Ernst Haeckel, the problem of evolution. Regarding the evolution of mankind, he defended an open position: he judged that it had not (yet) been proved, but reckoned with the possibility that it could be proved one day, and insisted that there would be no contradiction with Christian revelation. That provoked, in the time of the Modernist crisis, complaints to Rome. The Jesuit General Wernz declared that it would be “theologice certum” that mankind could not descend, not even regarding the body, from animal ancestors. Therefore Wasmann should deal, in future editions, only with the biological questions and omit speculations about the theoretical compatibility of human evolution with the revelation. That had the consequence, that no new edition of the book was ever published.

 
Artikel herunterladen
 

Friedo Ricken S. J.: Die Entwicklung der Ethik

Der Beitrag ist eine Besprechung von T. Irwin, The Development of Ethics, vol. 1: From Socrates to Reformation, Oxford 2007. Er gibt einen Überblick über die großen historischen Zusammenhänge, um dann auf den systematischen Schwerpunkt des Buches, den aristoteli-schen Naturalismus, näher einzugehen. Irwin spricht von Naturalismus, weil Aristoteles im Ergon-Argument (NE I 6) seine These über das Gut des Menschen mit Aussagen über die Natur des Menschen begründet. Das ist jedoch kein Naturalismus im Sinne der gegenwärtigen Naturalismusdiskussion; die Tatsache, von der Aristoteles ausgeht, ist die Vernunft, und sie ist eine normative Größe. In einer solchen naturalistischen Ethik müssen nicht nur die Mittel, sondern auch die Ziele der Vernunft entsprechen. Damit ist eine zentrale Frage des Buches angesprochen: Wie verhält sich Aristoteles‘ Begriff der boulêsis, des auf das Ziel gerichteten Strebens, zu Thomas‘ Begriff der voluntas? Nach Irwin sind beide ein wesentlich vernünftiges Streben. Das ist für Aristoteles aufgrund von NE I 13 zu bestreiten. Nach Thomas gehört der Wille zum Strebevermögen, das ein passives Vermögen ist; er ist rational, weil er durch den amor intellectualis bewegt wird.

The paper is a review of T. Irwin, The Development of Ethics, vol.1: From Socrates to Re-formation, Oxford 2007. It gives an overview of the historical connections and discusses the central systematic issue of the book: Aristotelian Naturalism. Irwin uses the word ‘naturalism’ because Aristotle in his Function Argument (EN I 6) uses the nature of the human being as an argument for his thesis about the human good. But this is not the concept of naturalism of the present discussion because the nature of the human being is reason and reason is a normative entity. In such a naturalistic ethics not only the means but also the ends must be rational. This leads to the question: What is the relation of the Aristotelian concept of boulesis (desire of the end) to Aquinas’ concept of voluntas? According to Irwin, both are essentially rational desire. But this interpretation does not agree with EN I 13. According to Aquinas, voluntas belongs to appetitus which is a potentia passiva; it is rational because it is moved by amor intellectivus.

 
Artikel herunterladen
 

Jahrgang 85 (2010), Heft 2

Gerd Haeffner S. J.: Heideggers „Seins“-Frage. Beitrag zu einer Klärung

Heideggers Weise, vom „Sein“ zu sprechen und nach seinem „Sinn“ zu fragen, begegnet noch heute vielen Verständnisschwierigkeiten. In diesem Artikel wird versucht, seine Redeweise vom „Seienden“ und vom „Sein“ zu rekonstruieren. Dabei wird eingegangen auf die Bedeutung der Phänomenologie für die umgedeutete Ontologie. Es wird die These vertreten, Heidegger sei es nie um das Sein im Sinne der aktuellen Wirklichkeit gegangen, sondern immer um Weisen der sinngefüllten Anwesenheit des Begegnenden und um die Erschlossenheit je einer Welt. Erst spät wurde ihm klar, dass das „Sein“ der Metaphysik gehört und ihr überlassen bleiben sollte. Heidegger’s way of speaking of “Being” and of inquiring into its “meaning” is still today not easily understandable. In this article his way of speaking of “beings” and of “Being” is the object of a rational reconstruction. It is phenomenology which is the background for his new “ontology”. Heidegger’s topic, it is argued, never was Being as the actual reality of things but the phenomenon of their presence and the source of thinking in the inner light of “Dasein” as being-in-the-world. It was only later that he recognized that “Being” belongs to metaphysics and should be restored to its language.
 
Artikel herunterladen
 

Georg Sans S. J.: Gerold Prauss über Moral und Recht im Staat nach Kant und Hegel

Die Selbstzweckformel des kategorischen Imperativs gebietet, einen Menschen „jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel“ zu gebrauchen. Gerold Prauss zufolge hätte Kant genauer zwischen ‚nicht bloß als Mittel, sondern zugleich als Zweck‛ und ‚gar nicht als Mittel, sondern nur als Zweck‛ unterscheiden sollen. Die erste Formel beschreibe ein Rechts¬verhältnis zwischen zwei sich gegenseitig anerkennenden selbstbestimmten Subjekten; die zweite Formel hingegen beziehe sich auf Situationen, in denen mir ein auf Hilfe angewiesenes vernünftiges Wesen gegenübertritt. Lediglich in dem zweiten Fall verdiene die sittliche Pflicht moralisch genannt zu werden. Die Abhandlung zeichnet Prauss‘ Überlegungen zum Verhältnis von Recht und Moral sowie zur Rolle des säkularen Staats bei deren Verwirklichung nach und bewertet sie als überaus anregenden Versuch, der kantischen These von der für sich selbst praktischen Vernunft einen systematischen Sinn zu verleihen. The categorical imperative, in the formula of humanity as end in itself, demands to use every person “always at the same time as end, never merely as a means”. According to Gerold Prauss, Kant should have distinguished more carefully between ‘not merely as a means, but at the same time as end’ and ‘not as means at all, but only as end’. Whereas the first formula describes a legal relationship between two self-determining subjects who mutually recognize one another, the second formula applies to situations in which I face a rational being that depends on my help. For Prauss, only in the second case the ethical duty deserves to be called moral. The paper traces Prauss’ considerations regarding right and morals as well as regarding the role played by the secular state in their realization. These considerations are discussed as an extremely stimulating attempt to make sense of the Kantian thesis that reason is practical of itself.
 
Artikel herunterladen
 

Petra Hörner: Evangelienharmonistik in der „Catena aurea“

Thomas von Aquin behandelt in der „Catena aurea“ jeweils ein Einzelevangelium und kommentiert es durch Autoritätenzitate. Da diese Exzerpte zahlreiche Informationen aus dem Viererkanon zum Inhalt haben, nimmt Thomas stets alle vier Evangelien in den Blick. Sie werden als Ergänzungen und Erklärungen einer Bibelstelle genutzt; insbesondere werden evangelienharmonistische Reflexionen über fehlende und unterschiedliche Aussagen der Evangelisten vorgenommen. Thomas stellt sich in die Reihe der Persönlichkeiten, die bereits dem Vorwurf, die Evangelien enthielten Widersprüche, mit dem Nachweis der Widerspruchslosigkeit zu begegnen suchten. Veranschaulicht wird das harmonistische Bemühen auf der Grundlage der ostmitteldeutschen Übersetzung der „Catena aurea super Marcum“. Thomas Aquinas deals in „Catena aurea“ steadily one gospel after another. He comments them by quotations of authorities, since those excerpts give numerous information’s about the four gospels. Thomas takes permanently all four gospels into consideration and uses them a complement and explanation if each biblical text. He especially reflects missing and distinctive statements. His procedure agrees with those scalars, who tried before to refute the opinion that the gospel texts show contradictions. This harmonistic effort is illustrated in the East Middle German Translation of „Catena aurea super Marcum“.
 
Artikel herunterladen
 

Andreas Koritensky: Religiöse Erfahrung und christliches Selbstverständnis. Der Aufstieg eines Deutungsbegriffs und die Folgen

Die Krise des Glaubens in der Neuzeit hat den Erfahrungsbegriff zu einem wichtigen Mittel der christlichen Selbstdeutung werden lassen. Mit diesem Begriff sollen der Wesenskern und das Kriterium des Christlichen erfasst werden. Eine Untersuchung der drei wichtigsten Grundmodelle, repräsentiert durch Schleiermachers unmittelbare Erfahrung in Anschauung und Gefühl, Rahners transzendentale Erfahrung und Swinburnes perzeptiven Ansatz, zeigt aber, dass der neue Begriff zu Verengungen in der theoretischen und praktischen „Architektur“ des Christentums führt. Statt das Christentum durch eine isolierte, einheitliche Erfahrungskonzeption zu stützen, erscheint es daher sinnvoller, den Erfahrungsbegriff selbst auf traditionelle Weise am Kriterium der Liebe Maß nehmen zu lassen. So wird es möglich, eine Vielfalt von religiös relevanten erfahrungsartigen Phänomenen zusammenzuführen, und gleichzeitig bleibt deren Strukturierung aus der Mitte der christlichen Religion gewahrt. As consequence of the modern crisis of faith, the concept of religious experience has risen to an important instrument of Christian self-interpretation. Experience can even acquire the role of a criterion of religion. However, an analysis of the three most influential models, Schleiermacher’s immediate experience, Rahner’s transcendental experience and Swinburne’s perceptual approach, shows that the new concept conflicts with traditional theoretical and practical architecture of Christianity. Instead of founding the Christian faith on isolated and uniform concepts of experience, it seems more appropriate to take refuge to the traditional criterion of love. A broader variety of phenomena can be bound together as genuine religious experiences by that rule and remain at the same time dependent to the central source of the Christian religion.
 
Artikel herunterladen
 

Philipp Höfele: Vergebung für die Täter? Überlegungen zur intersubjektiven Dimension des eschatologischen Gerichts

Eine Theologie, die angesichts der Gräuel von Auschwitz die Hoffnung auf eine Versöhnung für alle offenhalten will, muss um der Gerechtigkeit willen eine intersubjektive Dimension des eschatologischen Gerichts annehmen, bei welchem die Klagen der Opfer eine Stimme erhalten, ohne dass zugleich Gott als Schöpfer des Ganzen anzuklagen wäre. Denn derart würde man vorschnell die Verantwortlichkeit der Täter für die von ihnen begangenen Gräueltaten auf eine höhere Instanz abwälzen. Die Frage nach der Möglichkeit eines zwischenmenschlichen Verzeihens von Unverzeihbarem, wie sie von Jankélévitch, Arendt, Derrida und Ricoeur erörtert wurde, käme dabei nicht in den Blick. Doch selbst wenn die dem Menschen allein zugestandene „Möglichkeit des Guten und des Bösen“ (Schelling) ihn auch zu dem äußersten Akt einer Vergebung für die Täter befähigen sollte, so wird diese angesichts der erdrückenden Schuldgeschichte letztlich nur durch die Solidarität des auferweckten Gekreuzigten mit den Opfern möglich sein. A theology which wants to keep the hope for reconciliation up with regard to Auschwitz must, for the sake of justice, assume an intersubjective dimension of the eschatological court in which the complaints of the victims are voiced without accusing God as the creator of the whole. Since, that way, one would hastily transfer the responsibility of the perpetrators for the atrocities they committed to a higher authority. The question of the possibility of an interpersonal forgiveness of something that cannot be forgiven, as discussed by Jankélévitch, Arendt, Derrida and Ricoeur, would thus go unnoticed. However, even if the “capability of the good and the bad” (Schelling), which is given to human beings alone, enables them to express their forgiveness for the perpetrators, which is a very extreme act, this forgiveness will, with regard to the oppressive history of guilt, only be possible by means of the solidarity of the crucified and resurrected Christ with the victims.
 
Artikel herunterladen
 

Dieter Witschen: Was kann ‚negative Religionsfreiheit‛ meinen? Semantische Anmerkungen

The right to religious freedom can not only come into conflict with other rights, but there can also exist an immanent conflict within this right. Such a conflict is the one between negative and positive religious freedom. Before it can be solved as regards content, one has to realize that by the opposition “negative versus positive religious freedom” something completely different can be meant. In a semantic analysis at least eight different meanings of the term ‘negative religious freedom’ can be discerned. It should, however, be noted that distinctions can be made in this respect whether specific rights of the person entitled are meant, or whether, by claiming this right, consequences are connected for others, who want to positively exercise this right.
 
Artikel herunterladen