Sankt Georgen – ein Portrait

P. Wendelin Köster SJ
Kollegsrektor
Die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen steht unter dem Motto pietati et scientiae. Die drei Worte sind in die Glasfront des Hochschulgebäudes eingraviert. Pietas ist die Haltung der Ehrfurcht vor Gott, vor den Menschen und vor der ganzen Schöpfung. Ohne pietas keine Menschenwürde! Scientia ist die Haltung der Wahrhaftigkeit im Fragen nach dem, was wir über den Menschen, über die Schöpfung und über Gott wissen können. Ohne scientia keine Gewissheit!
Die pietas hat auf dem Campus einen festen Ort: eine Kirche; dorthin gehen Menschen, wenn sie erkannt haben, dass sie sich etwas sagen lassen müssen, und zwar von Gott. Die scientia hat ihren Ort im Hörsaal und in der Bibliothek; dorthin gehen Menschen, wenn sie erkannt haben, dass sie sich das Wissen erarbeiten müssen.
Zwischen scientia und pietas steht das Wörtchen et. Pietati et scientiae. Diesem Und ist Sankt Georgen auf besondere Weise verpflichtet. Deshalb hält die Hochschule am Miteinander von Philosophie und Theologie fest. Denken und Glauben sind wie ein Paar, das gemeinsam auf dem Weg durch die Geschichte ist. So sollte es wenigstens sein.
Das Und zwischen beiden, das sie zum Paar macht, ist Belastungen unterworfen. Es hat sich im Laufe der Zeit als brüchig erwiesen. Die moderne Geistesgeschichte zeigt es: die beiden haben sich entfremdet. Sie reden wenig miteinander, oft aber übereinander. Sie werfen sich ihre gegenseitigen Übergriffe vor. Es scheint, als ob die Beziehung endgültig zerrüttet sei – mit zerstörerischen Folgen für die gesamte abendländische Kultur.
Im Jesuitenorden lebt die Überzeugung, dass die Beziehung zwischen pietas und scientia nicht heillos zerrüttet ist. Deshalb sollen Einrichtungen wie Sankt Georgen Menschen hervorbringen, die sich in nüchternem Wissen um die Dimensionen der Zerrüttung mit Leidenschaft für die Heilung einsetzen. So ist Sankt Georgen als Ganzes ein Instrument zur Förderung des Friedens zwischen pietas und scientia, zwischen Glaube und Vernunft, zwischen Philosophie und Theologie, zwischen der zivilen Gesellschaft und der Kirche. In diesem Sinne ist das Kerngeschäft Sankt Georgens die Versöhnung.
Wenn Sie Sankt Georgen in seinem Kerngeschäft effektiv helfen wollen, unterstützen Sie die Stiftung der Hochschule!
