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Kindertheologie
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Projektbeschreibung
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Dieses
Forschungsprojekt versucht in einem ersten Schritt Entwicklungen von
Gotteskonzepten nachzuzeichnen, insbesondere des
Gottesverständnisses und der Gottesbeziehung von Kindern und
Jugendlichen, die im mehrheitlich konfessionslosen Kontext
Ostdeutschlands heranwachsen. Aufgrund der so zu gewinnenden
Erkenntnisse und Einsichten wollen wir in einem zweiten Schritt
religionspädagogische Theoriebildung vorantreiben und didaktische
Konzepte entwickeln, die unseren Befunden gerecht werden. Die
Untersuchung basiert auf dem vielfältigen und umfangreichen
Datenmaterial, das Anna-Katharina Szagun im Rahmen der Rostocker Langzeitstudie zusammengetragen hat.
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Ausführliche Information
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In
Zusammenarbeit mit der Rostocker Forschungsgruppe befassen wir uns mit
der Entwicklung von Gottesverständnis und Gottesbeziehung von
Kindern und Jugendlichen, die im mehrheitlich konfessionslosen Kontext
Ostdeutschlands heranwachsen. Anhand der Rostocker Langzeitstudie
lassen sich lebensaltersbezogene Veränderungsprozesse
nachzeichnen, die sich einer kontinuierlichen Anlage-Umwelt-Interaktion
verdanken. Dabei kommen die Rostocker Langzeitstudie und der
strukturpsychodynamische Ansatz in der religiösen Entwicklung
miteinander ins Gespräch (Wagener 2008, 59ff).
Der bisherige Stand der Forschung lässt erkennen, dass eine an
Jean Piaget orientierte Stufenfolge menschlicher und auch
religiöser Entwicklung sich nicht schlicht Stufe um Stufe
vollzieht; demnach würden sich Menschen allein noch darin
unterscheiden, wie viele dieser Stufen sie auf der Treppe ihres Lebens
erklimmen. Vielmehr kommt der Sozialisation (und auch der
Psychodynamik) eine konstitutive und bisher offenbar zu wenig beachtete
Rolle zu, wenn konfessionslos aufwachsende Kinder ganz andere
Entwicklungen nehmen und ganz andere Übergänge schaffen oder
auch nicht schaffen als Mädchen und Jungen, die mit dem
kirchlichen Leben von klein auf vertraut sind. Passender als das Bild
einer Treppe mit vorgegebener Stufenfolge erscheint die Ausbildung von
Mustern, die vielfältiger aufeinander verweisen, aufeinander
folgen und ineinander übergehen können, als es eine
Stufenfolge erlaubt, die sich naturwüchsiger gibt, als sie gemacht
ist (Kießling 2008, 2f).
Bei der bisher erfolgten Auswertung drängt sich die Hypothese auf,
dass es sich bei den sukzessive aufeinander aufbauenden Stufen der
religiösen Entwicklung um Muster handelt, die keiner
zwangsläufigen Reihenfolge unterliegen und stark durch die
Lebenssituation mit ihren dominierenden Emotionen und Werten aktiviert
werden.
Im traditionellen Kontext religiöser Sozialisation setzt die
Entwicklung mit der Ganzheit eines Gotteskonzeptes (1) ein, bevor es zu
dessen Fragmentarisierung (2) und schließlich zu seiner
Differenzierung (3) kommt. Während sich in der klassischen
religiösen Sozialisation also drei Formenkreise bilden, beginnt
die religiöse Entwicklung für Probandinnen und Probanden, die
im nichtkonfessionellen Kontext aufwachsen, offenbar nicht mit dem
ersten, sondern mit dem zweiten Formenkreis: Die religiöse
Entwicklung vieler Rostocker Probandinnen und Probanden nimmt in der
Bruchstückhaftigkeit des Gotteskonzeptes ihren Anfang und bildet
möglicherweise hernach differenziertere Muster aus.
Zudem taucht in der Rostocker Langzeitstudie das strukturelle Problem
auf, dass Probandinnen und Probanden, die eine ausgeprägte
christlich-theologisch reflektierte religiöse Erziehung erhielten,
gar nicht anfangen, Aspekte des Ex-machina- und des Do-ut-des-Prinzips
auszubilden, wie sie für den ersten Formenkreis typisch sind.
Offenbar können religiös musikalische Eltern dazu beitragen,
dass Kinder zu einem symbolisch-analogen Gottesverständnis finden,
in der Grundschule gar nicht erst mit anthropomorph und eng theistisch
geformten Vorstellungen ankommen, an denen sie sich in ihrer weiteren
religiösen Entwicklung mühsam abarbeiten müssen: Denn
ein aus regressiven Bedürfnissen gespeistes wunschfixiertes
Konstrukt erweist sich als äußerst hartnäckig und
leistet bei erbetenem, aber ausbleibendem Eingreifen eines
göttlichen Übervaters eher einem Enttäuschungsatheismus
Vorschub als einer existentiell tragenden Gottesbeziehung
(Kießling 2007, 114).
Erlebt ein Kind zugewandte Eltern, die ihrerseits aus ihrer
Gottesbeziehung Kraft und Orientierung schöpfen und ihren Glauben
im Alltag leben, so kann es gleichsam in deren Gottesbeziehung
hineinwachsen: Die Bezugspersonen sind ihm modellhafte Garantinnen und
Garanten für die das Leben tragende Relevanz des vom Kind mehr
gefühlten als gedachten Gottes (Szagun 2008, 410). Erst auf der
Grundlage dieser Beziehung geht es um das Verstehen, auch um die
Klärung eines Gottesverständnisses, damit dieses nicht in
religiöse Sackgassen führt.
Erfüllungsmotivierte Gebetshaltungen, theistisch
vergegenständlichende Bilder und Sprachspiele führen in die
Enge. Welche Sprache, welche Haltungen und Bilder erschließen den
Glauben?
Die Erhebung, die Aufbereitung und die Auswertung der Daten schreiten
voran. Dabei soll es nicht nur um die Nachzeichnung mehr oder weniger,
so oder anders gearteter religiöser Bildungsverläufe gehen,
sondern auch um religionspädagogische Theoriebildung und
didaktische Konzepte, die den Befunden dieser Langzeituntersuchungen
Rechnung tragen.
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Projektteam (Sankt Georgen)
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| Prof. Dr. Dr. Klaus Kießling |
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| Dr. Hermann-Josef Wagener |
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Veröffentlichungen (Auswahl)
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Klaus
Kießling, Vom vielfältigen Ackerfeld. Religiöse
Entwicklung von Kindern im mehrheitlich konfessionslosen Kontext, in:
Wege zum Menschen 59 (2007) 110 – 114.
Klaus Kießling, Editorial, in: Transformationen. Pastoralpsychologische Werkstattberichte 10 (2008) 1 – 3.
Anna-Katharina Szagun, Dem Sprachlosen Sprache verleihen. Rostocker
Langzeitstudie zu Gottesverständnis und Gottesbeziehung von
Kindern, die in mehrheitlich konfessionslosem Kontext aufwachsen
(Kinder Erleben Theologie; Bd. 1), Jena: Garamond, Edition Paideia,
2006.
Anna-Katharina Szagun, Gegen den Tod an leben mit einem Gott, den es
‚so’ nicht gibt? Zur Begleitung Heranwachsender in ihrer
Subjektwerdung, in: Wege zum Menschen 59 (2007) 115 – 136.
Anna-Katharina Szagun & Michael Fiedler, Religiöse Heimaten.
Rostocker Langzeitstudie zu Gottesverständnis und Gottesbeziehung
von Kindern, die in mehrheitlich konfessionslosem Kontext aufwachsen
(Kinder Erleben Theologie; Bd. 2), Jena: Garamond, Edition Paideia,
2008.
Hermann-Josef Wagener, Die Rostocker Langzeitstudie und der
strukturpsychodynamische Ansatz in der religiösen Entwicklung
– ein Gespräch, in: Transformationen. Pastoralpsychologische
Werkstattberichte 10 (2008) 59 – 106. |
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