Fachtagung "Ethikbezogenes Investment"

Die Sachverständigengruppe "Weltwirtschaft und Sozialethik" der Deutschen Bischofskonferenz hat am Morgen des 17. Februars 2010 die Studie "Mit Geldanlagen die Welt verändern? Eine Orientierungshilfe zum ethikbezogenen Investment" im Haus am Dom/Frankfurt der Öffentlichkeit vorgestellt (zum Medienecho).

 

Am Nachmittag des selben Tages veranstaltete die Sachverständigengruppe in Zusammenarbeit mit dem BVI (Bundesverband Investment und Asset Management) und dem Frankfurter Forum für Ethik der Finanzpraxis eine Fachtagung in der Frankfurt School of Finance and Management. Ziel war es einerseits, die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, andererseits besonders kirchlichen Vermögensverwaltern und Finanzinstituten, die Produkte ethikbezogenen Investments anbieten, wirtschaftsethische Orientierung zu geben.

Über 120 Teilnehmer diskutierten in acht verschiedenen Workshops das Thema ethikbezogener Geldanlage aus verschiedenen Perspektiven: Mehr aus theoretischer Perspektive machte Prof. Dr. Henry Schäfer die Teilnehmer mit Prozessen und Wirkungen ethikbezogener Geldanlage vertraut; Prof. Dr. Eva Terberger diskutierte das Thema "Konkurrenz oder Synergie von Ethik und Finance". PD Dr. Torsten Strulik wiederum lotete die Grenzen der Steuerung auf den Finanzmärkten aus.

Mit deutlichem Praxisbezug stellten Dr. Klaus Gabriel und Jean Laville Möglichkeiten des Engagements und des shareholder activism vor. Dr. Georg Stoll problematisierte aus der Sicht von Misereor die Rolle der Finanzmärkte im Hinblick auf Entwicklungsanstrengungen der Länder des Südens und Ostens. Mit den konkreten Herausforderungen innerhalb von Finanz- und Kreditinstituten näherten sich Dr. Helge Wulsdorf und Ingo Speich dem Thema in ihren Workshops.

Von links: Dr. Wolfgang Mansfeld (Präsident des BVI), Thomas Richter (Geschäftsführungsmitglied DWS), Prof. DDr. Johannes Wallacher, Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Schmidt (Goethe Universität) und Prof. Dr. Bernhard Emunds.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden nochmals kontrovers die Chancen und Grenzen ethikbezogenen Investments diskutiert. Vor allem die Abgrenzung von Markt zum politischen Verantwortungs- bereich war dabei unter den Diskutanten umstritten. Auch wenn sich die konkreten Folgen ethikbezogener Geldanlage kaum empirisch fassen lassen, trägt sie doch zum Bewusstseinswandel bei, dass soziale und ökologische Fragen auch eine Relevanz für Investmententscheidungen haben. Insofern stellen sie eine Herausforderung bzw. gar einen "schwierigen Markt" dar für diejenigen Finanzinstitute, die konventionelle Finanzprodukte anbieten.