Sozial entsichert, arm und krank gemacht
Friedhelm Hengsbach SJ
Nachdem Heiner Geißler Mitte der 1970er Jahre eine Armut der Frauen, Rentnerinnen und Pflegebedürftigen entdeckt hatte (Geißler 1976), werden in zeitlichen Abständen jeweils wechselnde Gesichter der Armut identifiziert. Während der 80er Jahre waren die Arbeitslosen die größte Gruppe unter den Armen. In den 90er Jahren wurde man auf die "Armut der Erwerbstätigen" aufmerksam. Zu Beginn des Jahrhunderts sprach man von der "Infantilisierung" der Armut (Butterwegge u.a. 22008). Und 2006 identifizierte eine Milieustudie der Friedrich Ebert-Stiftung ein "abgehängtes Prekariat" (Neugebauer 2007, 82; Klinger und König 2006). Die vielfältigen und wechselnden Gesichter der Armut - keine Arbeit zu haben, erwerbstätig zu sein mit einem Niedriglohn, Kinder zu haben, sie allein zu erziehen oder selbst Kind zu sein - verweisen auf deren Ursachen, nämlich auf Langzeitlosigkeit, Niedriglöhne, ein Leben mit Hartz IV, Kinder und brüchige Partnerschaften.
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