Würdige Arbeit und diakonische Kompetenz
Wolf-Gero Reichert
Der Bereich der Altenpflege wie die gesamte Sozialwirtschaft hat in den letzten Jahren tiefgreifende Veränderungen durchgemacht, die weit bis ins überkommene Selbstverständnis der Beschäftigten im Sozialsystem reichen: Während mit dem Pflegeversicherungsgesetz der Pflegemarkt etabliert wurde, zieht sich der Staat teilweise aus der Finanzierung, weniger aus der sozialstaatlichen Regulierung zurück. Unter dem Mantel der semantischen Systemkontinuität (?Pflegeversicherung als fünfte Säule des Sozialstaates?) vollzieht sich eine schleichende Neuausrichtung, die zu einer Konzentration weit reichender Probleme im Pflegebereich führte, welche nicht durch einfache Organisationsfragen innerhalb der Einrichtungen bewältigt werden können.
Die Organisation der Pflege alter und bedürftiger Menschen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die sowohl von volkswirtschaftlicher und ethischer Bedeutung ist. Das derzeitige sozialstaatliche Arrangement ist für diese Aufgabe höchst unzureichend eingestellt. Vor allem das Selbstverständnis der kirchlichen Caritas als diakonischer Teil der Kirche wird von dieser strukturellen Schieflage besonders in Frage gestellt. Die Analyse des Sachstandes zeigt sechs zentrale Gefahren auf, die einer nachhaltigen Weiterentwicklung des Pflegesektors im Wege stehen. Daraufhin werden sozialethische Orientierungen gegeben, die sich aus der Eigenart der sozialen Dienstleistung Pflege, aus dem Selbstverständnis einer demokratischen Gesellschaft sowie aus der römischen Sozialverkündigung ergeben.
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