Wo bleibt der Einspruch der Kirchen?
Thomas Wagner
Als schlimm erlebe ich die aktuelle Selbstzerstörung der katholischen Kirche: Der Vatikan geht gegenüber der ultrakonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X in die Knie und ernennt einen fundamentalistich eingestellten Priester zum Weihbischof von Linz. Diese Entwicklungen beschämen mich, machen mich traurig und ärgerlich! Richtig wütend macht mich aber das Schweigen der Kirche in der aktuellen Finanzmarktkrise, die sich mehr und mehr zu einer fundamentalen Wirtschafts- und Gesellschaftskrise auswächst. Der finanzmarktgetriebene, neoliberale Kapitalismus ist gescheitert mit heftigsten Folgen für die Steuerzahler und Menschen vor Ort. Die Politiker zimmern im Schulterschluss mit den Brandstiftern dieser Krise kurzatmige, nationale Rettungspakete zur Verhütung von weiteren Flächenbränden auf den Kapitalmärkten. Milliardenschwere Rettungsschirme für Banken werden geschaffen; Mit Steuergeldern sollen ganze Industriezweige gerettet werden. Wer denkt an einen Rettungsschirm für Arbeitslose und Arme? Wer wirbt für internationale Strategien der Krisenbewältigung nach dem gesellschaftlichen Leitbild eines sozialgerechten Europas und einer demokratisch-solidarischen Weltordnung?
