Kein großer Wurf

Kommentar zur Enzyklika Caritas in Veritate

Bernhard Emunds

Heute hat Papst Benedikt die Enzyklika ?Caritas in Veritate? veröffentlicht. Mehrfach war der Termin verschoben worden. Zuletzt hieß es, der Papst wolle in dem Schreiben auf die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise eingehen. Aber eine systematische Auseinandersetzung mit den Ursachen der Krise und den notwendigen politischen Konsequenzen aus ihr sucht man in der neuen Enzyklika vergebens. Im Vordergrund stehen systematischtheologische Erwägungen zum Verhältnis von Liebe und Wahrheit, Glaube und Vernunft, gesellschaftlicher Entwicklung und notwendigem Transzendenzbezug. Die aktuelle Krise dient eher zur Illustration zivilisatorischer Problemlagen, die der Papst sehr grundsätzlich in Versuchen einer Entwicklung ohne Gott begründet sieht. Darunter versteht er das blinde Vertrauen auf das technisch Machbare, den Verzicht darauf, die Prozesse der wirtschaftlichen Globalisierung zu steuern, und die Ausbreitung eines grenzenlosen Gewinnstrebens. Setze der Mensch aber nur auf seine eigenen Fähigkeiten, dann führe dies zur Manipulation der menschlichen Natur in der Biotechnologie, zu neuen Spaltungen durch die Weltwirtschaft sowie ? z.B. in der aktuellen Krise ? zur Vernichtung von Wohlstand und zum Wachstum von Armut.

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