Das Feuer unter Kontrolle, die Brandstifter frei

Friedhelm Hengsbach SJ

"Wenn der Himmel einstürzt, sind alle Spatzen tot. Wenn es brennt, muss gelöscht werden, auch wenn Brandstiftung die Ursache ist". Peer Stein­brücks endzeitliche Lyrik hat wohl dazu beigetragen, dass die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft nicht in den Abgrund gestürzt sind. Abgestürzt sind allenfalls die marktradikalen wirtschaftsliberalen Denkmuster. Nach der unmittelbaren Schockstarre vor einem Jahr reagieren die meisten Bürgerinnen und Bürger relativ gelassen auf das wirtschaftliche und politische Desaster. Besonnenheit und Abwarten scheinen aus oberflächlicher Sicht begründet.  

Die Börsenkurse bewegen sich ja rasant im Aufwind. Die privaten Geschäftsbanken stabilisieren sich. Die Notenbanken über­schwemmen die Finanzunternehmen mit Flutwellen an Liquidität und Zentralbankgeld. Pfiffige Spekulanten haben die Rohstoff- und Devisenmärkte entdeckt, auf denen sie weiter spielen. Der dramatische Wachstumsknick hat den Wendepunkt überschritten. Ein gescheiterter Klimagipfel hat das Umweltbewusst­sein der Bevölkerung nicht beschädigt, sondern bloß ehrgeizige und eigensinnige Staatslenker bloßgestellt. Die soziale Verblendung der Schröder-SPD wird durch freiwillige oder erzwungene Korrekturen der Agenda 2010 und der Hartz-Projekte dem Vergessen anheim gegeben. Selbst Liberale sorgen sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die bevorstehende Wahl in Nordrhein-Westfalen gebietet der schwarz-gelben Koalition soziale Rücksichtnahme und verleitet zu verschwenderischen Geldgeschenken. Hatten die Wählerinnen und Wähler nicht Recht, als sie die SPD bestraften und den älteren Jahrgängen politischer Eliten den Rücken zukehrten?

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