Schwacher starker Staat

Bernhard Emunds

Die Weltfinanzkrise ist auch eine Krise des Wirtschaftsliberalismus.  Seit über dreißig Jahren haben wirtschaftsliberale Politikberater die Regierungen in aller Welt gedrängelt, den Staatssektor zu beschneiden, Märkte aus dem engen Korsett bürokratischer Regulierung zu befreien, in allen Lebensbereichen Wettbewerb zu entfachen und die Aufgabe der Wohlfahrtssteigerung weitgehend der Privatwirtschaft zu überlassen. Aufgrund des langfristigen Gewinninteresse ihrer Akteure stabilisiere und reguliere sich diese am besten selbst. Über Jahrzehnte wurden die Regierungen vieler Entwicklungs- und Transformationsländer mit Hilfe von IWF und Weltbank zu einer Politik des schlanken Staates, des knappen Geldes, der vorbehaltlosen Öffnung für die Weltwirtschaft und der entfesselten Märkte gezwungen ? zumeist mit einer negativen gesellschaftlichen Gesamtbilanz.

[Weiterlesen]