Regeln für die Gier

Bernhard Emunds

Unser kapitalistisches Wirtschaftssystem macht sich systematisch das Geldvermehrungsinteresse der Menschen ? in den Feuilletons heißt es: ihre Gier ?zu Nutze. Frei nach Adam Smith formuliert, vertraut derjenige, der in der Frühe zu unchristlicher Zeit frische Brötchen kaufen will, eben nicht auf die Nächstenliebe des Bäckers, sondern auf seinen Wunsch, über seine Betriebskosten hinaus Geld einzunehmen. Der Drang der Bankangestellten, in ihrer Geldanlage überdurchschnittliche Renditen zu erzielen, um möglichst hohe Boni kassieren zu können, hat dazu geführt, dass im Laufe der Jahre Risiken immer weiter unterschätzt wurden: die hohen Risiken, die mit besonders renditeträchtigen Anlageformen ? z.B. den zu Wertpapieren gebündelten Hypotheken wenig kreditwürdiger US-Bürger ? verbunden sind und die steigenden Risiken einer immer höheren Kreditfinanzierung der Investitionen in Wertpapiere. Feuilletonistisch ausgedrückt: Die Gier manches Banker hat die internationalen Finanzinstitute in einegefährliche Schieflage gebracht, die jetzt in der Finanzkrise sichtbar wird. 

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