Ist der Finanzkapitalismus demokratiefähig?

Friedhelm Hengsbach SJ

Die Frage nach dem Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie würde Friedrich A. von Hayek als unsinnige Fragestellung zurückweisen. Sobald der Wettbewerb die Allokationseffizienz herstellt, sobald das Privateigentum und die Vertragsfreiheit garantiert sind, seien die freiheitlichen Grundrechte gewährleistet. Rolf-E. Breuer neigt wohl dazu, die Finanzmärkte quasi als 5. Gewalt in der Demokratie zu beschreiben, indem sie darüber wachen, dass nationale Regierungen der Kapitalverwertung keine unzumutbaren Lasten aufbürden.

Rheinischer Kapitalismus

In Deutschland ist unter der Chiffre der sozialen Marktwirtschaft der "Unternehmerkapitalismus" weit verbreitet. Der Einzelunternehmer, der innovative Produkte vermarktet und neue Verfahren einführt, vereint in seiner Person den Kapitaleigner und den, der das Unternehmen leitet. Noch stärker bestimmt der "Managerkapitalismus" das Erscheinungsbild der deutschen Wirtschaft. In der Publikumsgesellschaft sind die Eigentumsrechte der Anteilseigner stark beschnitten und von der Verfügungsmacht über die Produktionsmittel abgetrennt. Das Unternehmen gilt als Personenverband, die Manager sind gehalten, die Interessen derer, die sich im Unternehmen engagieren, beispielsweise der Anteilseigner und Belegschaften, der kreditgebenden Banken und Kommunen, auszugleichen. Über das Unternehmen hinaus wird die Verteilung der Wertschöpfung durch die Sozialpartner und die staatlichen Organe ausgehandelt. 

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