Ein armer Bericht

Friedhelm Hengsbach SJ

Der Entwurf des 3. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung ist ein Labyrinth. Wer die Kurzfassung, die Bestandsaufnahme der sozialen Lage, die Regierungsmaßnahmen und die sieben Anhänge gelesen und auf 413 Seiten den Faden nicht verloren hat, kommt zu Erkenntnissen, die beunruhigen. Der seit 1998 kontinuierliche Anstieg der Armutsrisikoquote hat sich auch 2002-2005 fortgesetzt. Sie lag bei 13%, für Alleinerziehende bei 24%, für Migranten bei 28%, für Arbeitslose bei 46%. Kinder trifft ein überdurchschnittliches Armutsrisiko, wenn sie mit Alleinerziehenden oder mit arbeitslosen Erwachsenen zusammenleben. Die Zahl der dauerhaft Armen ist gleichfalls gestiegen. Der Abstand zwischen der Armutsrisikogrenzeund der mittleren Einkommenslage derer, die arm sind, vergrößerte sich um ein Viertel. Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II hat 2005-2007 zugenommen. Das Arbeitslosengeld II hat die früheren Empfänger der Arbeitslosenhilfe überwiegend schlechter gestellt.

2005 arbeitete mehr als ein Drittel der Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnbereich. Der Anteil der geringfügig Beschäftigten lag 2007 bei 12% aller Erwerbstätigen. Die Teilzeitquote stieg auf mehr als ein Viertel. Die Zahl der Leiharbeitnehmer hat sich 2003-2007 mehr als verdoppelt. Der Anteil der Erwerbstätigen, die für Armutslöhne arbeiten, erhöhte sich 2002-2005 von 9% auf 12%. Die Tarifbindung ging weiter zurück, sie galt 2005 für nur 59% der Beschäftigten im Westen und für nur 42% im Osten. Der Anteil der Erwerbspersonen, die über keinen beruflichen Abschluss verfügen, lag 2006 mit 14% höherals zehn Jahre zuvor. 

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