"Die Banken haben Fehler gemacht, sicher."

Friedhelm Hengsbach SJ

Es ehrt den Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, dass er in der aktuellen Finanzkrise ein fehlerhaftes Verhalten der institutionellen Finanzakteure und einschlussweise der Finanzeliten eingesteht. Weniger ehrenvoll finde ich es, dass er jetzt die fast gleichen Worte wie vor etwa sieben Jahren verwendet, als jene Finanzblase geplatzt war, die von der Euphorie der "Neuen Wirtschaft" genährt wurde. Auch damals gab er zu, dass die Banken in der "Ertrags- und Strukturkrise" Fehler gemacht, sich einfach einen zu großen Anzug geschnitten und nicht damit gerechnet hätten, dass die Börse so abrupt einbrechen könnte.

Wer hat welche Fehler gemacht?

An welche Fehler mag der führende Banker denken? Zum Glück nicht an die fehlende Moral oder "die große Gier" kleiner Wertpapierhändler, die angeblich ahnungslose Kunden über den Tisch gezogen haben. Ich teile die Empfindung Hilmar Koppers, des Erfinders der "Peanuts" im Kreditgeschäft, der das Wort "Gier" genauso wenig mehr hören kann wie die politisch aufgeheizte Empörung über die Spitzengehälter der Manager. Die Neigung, persönliches Fehlverhalten öffentlich zu ächten, entlarvt nämlich einen blinden Fleck der Krisendiagnose. So vermute ich, dass auch Klaus-Peter Müller Systemfehler im Blick hat, die das individuelle Handeln fehlgesteuert haben, also nicht Spielzüge, sondern Spielregeln.  Nicht die Individuen sind korrupt. Das Regelsystem ist korrumpiert.

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