Kapitalbeteiligung
Friedhelm Hengsbach SJ
Die beiden Koalitionsparteien stürzen sich in Überholmanöver um die besseren Pläne zur Gewinn- und Kapitalbeteiligung. Aber wer will die Kapitalbeteiligung? Während in der Metall- und Bauindustrie sowie bei der Bahn um minimale Lohnerhöhungen gekämpft wird, ist die breite Schicht der abhängig Beschäftigten zuerst an einem verlässlichen Arbeitsplatz interessiert, an einem angemessenen Einkommen, an einer Arbeit, die abwechslungsreich und sinnvoll ist, in der Kollegen und Vorgesetzten sie als Menschen anerkennen. Dass die Arbeitgeber, Manager oder Kapitaleigner ihre extrem günstige Vermögensposition mit den Belegschaften freiwillig teilen möchten, ist kaum zu unterstellen.
Durch das von der CDU/CSU vorgeschlagene Modell der direkten Kapitalbeteiligung sollen die Arbeitsmotivation und die Identifikation der Belegschaftsmitglieder mit dem eigenen Unternehmen gestärkt werden. Aber der Missmut abhängig Beschäftigter ist wohl mehr durch den Führungsstil, den Arbeitsdruck, den erzwungenen Lohnverzicht und den unsicheren Arbeitsplatz als durch die mangelnde Kapitalbeteiligung verursacht. Finanzielle Anreize - Steuervorteile oder Dividende - erzeugen allein noch keinen Motivationsschub. Und mit welchem Unternehmen angesichts feindlicher oder freundlicher Übernahmen, der Zu- und Verkäufe von Betriebsteilen, der Fusionen und Ausgründungen sollen sich die Belegschaften identifizieren?
