Die Verteilungsfrage kehrt in die Gesellschaft zurück
Friehelm Hengsbach SJ
Die Zeit sei gekommen, die Frage einer Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivvermögen wieder auf den Tisch zu bringen. Sie könne dazu beitragen, der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich entgegen zu wirken. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten begreifen, dass sie in den Betrieben im selben Boot sitzen. So äußerte sich Bundespräsident Köhler vor etwa zwei Monaten.
In der deutschen Gesellschaft wächst das Gespür für die scharfen sozioökonomischen Bruchlinien: Die Binnenwirtschaft stagniert, während die Exportdynamik strukturell überhitzt ist. Die Industrie baut Arbeitsplätze ab, in Krankhäusern und Schulen wird unbezahlte Mehrarbeit erpresst. Private Haushalte häufen Geldvermögen an, öffentliche Haushalte sind verschuldet. Das Angebot öffentlicher Güter wird reduziert, Privatunternehmen traut man zu, die Lücke zu füllen. Riskante und spekulative Operationen auf den Finanzmärkten erzielen Renditen, die für Investoren in der realwirtschaftlichen Sphäre unerreichbar sind.
