Verknallt

Friedhelm Hengsbach SJ

Die Hartz IV Gesetze sind in Kraft. Die öffentliche und demonstrative Auflehnung wurde geräuschlos beendet. Aber ist die extreme Individualisierung des gesellschaftlichen Risikos, arbeitslos zu sein, von Dauer? Indem Betroffene juristisch intervenieren, Leistungsbescheide fehlerhaft ausgefertigt werden und Kommunen finanzielle Lasten auf die Arbeitsagenturen abwälzen, wird offenkundig, dass die rot-grüne Koalition in eine selbst gestellte beschäftigungs- und sozialpolitische Falle tappt. Die Bevölkerung ahnt, wie sehr das abenteuerliche Versprechen, die Zahl der Arbeitslosen zu halbieren, sowie die Beschwörung einer Zeitenwende auf dem Arbeitsmarkt rein kosmetische Tünche sind. Kanzler Schröder und Minister Clement hatten versprochen, den Zugang zu einer sinnvollen Erwerbsarbeit, die den Lebensunterhalt sichert, zu fördern. Bisher fordern sie nur, Arbeit auch unter Preis und unter Bedingungen, die einer Nötigung gleichen, anzunehmen. Die Freiheit abhängig Beschäftigter, eine Arbeit auch ablehnen zu können, wird nun antastbar. Irgendeine Arbeit sei besser als keine, lautet das politische Bekenntnis. Erwerbsarbeit müsse sein, lautet ein zweites Dogma. In der Fixierung auf die Erwerbsarbeit wird ausgeblendet, dass die moderne Gesellschaft drei Arbeitsformen hat, nämlich die Erwerbsarbeit, die durch ein Einkommen entlohnt, die private Beziehungsarbeit, die unentgeltlich geleistet, und das zivilgesellschaftliche Engagement, das mit öffentlichem Lob bedacht wird.

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