Ein "Evangelium der Arbeit"?
Friedhelm Hengsbach SJ
In dem Sozialrundschreiben über die menschliche Arbeit, das Papst Johannes Paul II. 1981 veröffentlicht hat, wird mehrfach von einem "Evangelium der Arbeit" gesprochen. Dieser schillernde Begriff meint wohl biblische Leitbilder bzw. Handlungsorientierungen, die sich zum einen aus der Beschreibung des Schöpfungswerks im ersten Kapitel der Genesis erschließen lassen. Neben diesem ersten "Evangelium der Arbeit" wird zum andern ein sehr beredtes, wenngleich diskretes "Evangelium der Arbeit" erwähnt, das Jesus von Nazareth, ein Mann der handwerklich-körperlichen Arbeit, in seinem Leben und in der Predigt von der Gottesherrschaft verkündet hat.
Wenn ich nach präzisen Inhalten dieses "Evangeliums der Arbeit" frage, werde ich auf die Gewissheiten eines personalen Existentialismus verwiesen, dass beispielsweise die Arbeit eine fundamentale Dimension menschlicher Existenz sei, dass der Wert der Arbeit in der Würde der menschlichen Person, eines selbstbewussten und sich selbst bestimmenden Subjekts gründe, dass der Mensch zur Arbeit bestimmt und berufen sei, und dass er in seiner Arbeit die Schöpfung Gottes vollende. Durch die Arbeit übe er die ihm von Gott verliehene Herrschaft über die Erde aus und mache sie sich untertan. Indem er sich mit der Natur auseinandersetzt und sie seinen Bedürfnissen anpasst, verwirkliche er sich selbst. In der Mühe der Arbeit entdecke er einen Teil vom Leiden und Kreuz Christi, sehe aber auch den Glanz seiner Auferstehung, den neuen Himmel und die neue Erde angekündigt.
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