Falsche Arbeitswut
Friedhelm Hengsbach SJ
Das Ruck- und Aufbruchsfieber der Kanzler-Agenda hat bei Unternehmern und
Politikern einen Anfall von Arbeitswut ausgelöst. Ein Reifenhersteller erklärt, die
Deutschen sollten sich auf eine Normalarbeitszeit von 43-45 Stunden in der Woche
einstellen. Angela Merkel meint, ohne ein bis zwei Stunden pro Woche mehr zu
arbeiten, würden wir den Wohlstand in unserem Land nicht bewahren. Ein letzter
Alarmruf gipfelt in der Forderung, die verkaufsoffenen Adventssonntage wieder
einzuführen.
Manche Argumentationsmuster, die das Verlangen nach längeren Arbeitszeiten
stützen sollen, sind krauser als Pumuckls rote Haare. Die 35-Stunden Woche
vertreibe Unternehmer aus Deutschland. Sie würden vom Weltmarkt verdrängt,
solange sich die deutschen Arbeiter an die kürzesten Arbeitszeiten, die meisten
Feiertage und den längsten Jahresurlaub klammerten. Mehr Arbeit ohne Lohnausgleich
senke die Arbeitskosten, steigere das Wachstum, festige den Konjunkturaufschwung
und senke die Arbeitslosigkeit.
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