Von Nell-Breuning lernen. Historische Debatten und aktuelle Impulse der Wirtschaftsethik

Bernhard Emunds / Thomas Wagner

Mittwochs, 14.15 - 16.45

Pater von Nell-Breuning hat zwar auf der Grundlage eines als unwandelbar verstandenen Naturrechts argumentiert, aber seine wirtschaftsethischen Positionen in kritischer Auseinandersetzung mit den gerade in der Fach- und politischen Öffentlichkeit viel diskutierten Positionen weiterentwickelt. Im Bereich der Wirtschaftspolitik waren dies damals vor allem ordoliberale Verfechter des Wettbewerbsprinzips und sozialistische Befürworter eines Bruchs mit dem (Monopol-)Kapitalismus. Seine Fähigkeit, eigene Anliegen im kritisch-konstruktiven Dialog einerseits klar zu formulieren, andererseits in Reaktion auf seine Gesprächspartner weiter zu entwickeln, verschaffte damals den Interventionen, mit denen er den Auf- und Ausbau der "sozialen Marktwirtschaft" in den fünfziger bis siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts begleitete, Gehör. Da die Positionen seiner Gesprächspartner in aktuellen Debatten über die Wirtschaftsordnung - teils weiterentwickelt, teils radikalisiert - noch präsent sind, ist ein Teil seiner Schriften auch in der Gegenwart noch für wirtschaftsethische Reflexionen sehr inspirierend.

In dem Seminar soll in einem ersten Schritt die wirtschaftsethische Grundposition von Pater Oswald von Nell-Breuning erarbeitet werden. Anschließend werden seine Kontroversen mit den Vertretern des Ordoliberalismus und den Protagonisten für eine sozialistische Neuordnung der Gesellschaft nachgezeichnet. Schließlich werden zentrale Themen Nell-Breunings behandelt, die auch in den aktuellen Debatten über Wirtschaftsordnung zentral sind, u.a. Spekulation an der Börse sowie - neudeutsch - Coporate Governance und Mitbestimmung. 

Leistungsnachweis: HS Christliche Gesellschaftslehre. Erforderlich: Aktive Teilnahme, Übernahme eines Referats (geht in Benotung ein), Lektüre der vorbereitenden Texte, Hausarbeit

 

Hayek - Luhmann - Habermas

Bernhard Emunds / Wolf-Gero Reichert

Mittwochs, 16.15 - 17.45

Vor knapp 50 Jahren halten zwei "Geistesgrößen", die maßgeblich die öffentlichen Diskurse der späten Bonner Republik mitgeprägt haben, in Frankfurt Seminare ab: Niklas Luhmann und Jürgen Habermas. Gegensätzlicher könnten beide kaum sein: Während der eine Moral und politische Steuerung für unwirksam erklärt, hält der andere am emanzipatorischen Potential philosophischer Kritik fest. Auf die Ansichten angehender Wirtschaftswissenschaftler hatte zur gleichen Zeit jedoch ein anderer Sozialtheoretiker großen Einfluss, der nie in Frankfurt Seminare gab, sondern mit Freiburg eng verbunden ist: der Österreicher Friedrich August von Hayek. Ähnlich wie Luhmann hegt auch er grundsätzliche Zweifel an der Möglichkeit, Gesellschaft bewusst zu gestalten. Seine Überzeugungen gewinnen in den 80er und 90er Jahren starken Einfluss auf die Wirtschaftspolitik.

In dem Seminar geht es um die Auseinandersetzung mit den Gesellschaftstheorien dieser drei Autoren. Zentral werden dabei die Fragen sein, wie politisches Handeln, bewusste Gestaltung von Gesellschaft, heute möglich ist und welchen Sinn die Rede von "sozialer Gerechtigkeit" unter gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen macht. 

Leistungsnachweis: HS Sozialphilosophie. Erforderlich: Aktive Teilnahme, Übernahme eines Referats (geht in Benotung ein), Lektüre der vorbereitenden Texte, Hausarbeit

 

Öffentliche Güter (unter besonderer Berücksichtigung von Umweltgütern)

 persönliche Anmeldung erforderlich unter nbi@sanktgeorgen.de

mit Bernhard Emunds, Friedhelm Hengsbach und Wolf-Gero Reichert

Do 30.09.2010, 10.00 - 18.00
Fr 01.10.2010, 09.00 - 18.00

Ein nachhaltiges Verhältnis zwischen gesellschaftlicher Entwicklung, wirtschaftlichem Wachstum und Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen zu finden, bleibt weiterhin die Zukunftsherausforderung der Menschheit. Auch in Kopenhagen fand die globale Staatengemeinschaft keine gemeinsame Antwort auf die Herausforderung des Klimawandels. Neben den zu klärenden Gerechtigkeitsfragen stellt sich auch weiterhin die ökonomische Umsetzungsfrage: Reicht es, die Umweltschäden einzupreisen? Oder braucht es umfassendere Lösungen? Kann das Verhältnis von Ökonomie, Gesellschaft und Umwelt besser unter dem Begriff des "öffentlichen Gutes" (global public goods) gefasst werden? In diesem Kolloquium wollen wir uns mit den Grundlagen der Umweltökonomie und einigen Theorien über öffentliche Güter befassen.

Kontaktaufnahme unter nbi@sankt-georgen.de oder telefonisch: (069) 6061-230.

 

Leistungsnachweis für Aufbaustudenten: Teilnahme am Kolloquium sowie am Oberseminar, Hausarbeit

 

Literatur:

Hardin, Garrett (1968): The Tragedy of the Commons. In: Science, New Series 162, Nr. 3859, S.1243-1248. 

Frey, Bruno/Bohnet, Iris (1996): Tragik der Allmende. Einsicht, Perversion und Überwindung. In: Friedrichs, Jürgen (Hg.): Umweltsoziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Sonderheft. Opladen: Westdeutscher Verlag, S.292-307.

Jansen, Stephan/Priddat, Birger (2007): Theorien der Öffentlichen Güter: Rekonstruktionen sozialer Konstruktionen - Politik- und wirtschaftswissenschaftliche Korrekturvorschläge. In: Jansen, Stephan u.a.: Die Zukunft des Öffentlichen. Multidisziplinäre Perspektiven für eine Öffnung der Diskussion über das Öffentliche. Wiesbaden: VS, S.11-48.

Malkin, Jesse/Wildavsky, Aaron (1991): Why the traditional distinction between public and private goods should be abandoned. In: Journal of Theoretical Politics 3/4, 355-378.

Kaul, Inge/Grunberg, Isabelle/Stern, Marc A. (1999): Defining Global Public Goods. In: Dies. (Hg.): Global Public Goods. International Cooperation in the 21st Century, New York - Oxford: Oxford University Press, S. 2-9.

Kaul, Inge/ Mendoza, Ronald U. (2004): Advancing the concept of public goods. In: Kaul, Inge/ Conceição, Pedro/Le Goulvan, Katell/Mendoza, Ronald U. (Hg.): Providing Global Public Goods. Managing globalization,  Oxford: Oxford University Press, 78-111. 

Ostrom, Elinor (2009): Gemeingütermanagement - Perspektive für bürgerschaftliches Engagement. In: Silke Helferich (Hg.): Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter. München: oekom. S.218-229. 

Aretz, Hans-Jürgen (2005): Die Relevanz von Wertverpflichtungen bei der Bereitstellung öffentlicher Güter. In: Zeitschrift für Soziologie, Jg.34, H.5, S.326-343.

Kallhoff, Angela (2008): Die Rechtfertigung öffentlicher Güter mit Argumenten des Vorteiltausches. In: Ethica 16, S. 315-332. 

Kallhoff, Angela (2005): Public Goods and Religion. A Complicated Partnership. In: Criterion. A Publication oft he Universiy of Chicago Divinity School, Spring 2005, S. 12-17.

Wicke, Lutz (1993): Umweltökonomie. Eine praxisorientierte Einführung. München: Vahlen. S.421-435 (Die Bedeutung marktorientierter Instrumente für die Umweltpolitik). 

Ott, Konrad/Döring, Ralf (2008): Theorie und Praxis starker Nachhaltigkeit. Marburg: Metropolis. S.179-227 (Kapitel 4: Naturkapital); S.323-336 (Kapitel 7.3.4ff zu Emissionshandel)

Sachs, Wolfgang u.a. (2008): Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt. Ein Anstoß zur gesellschaftlichen Debatte. Frankfurt: Fischer. S.365-394 (Märkte gestalten: Der Primat der Politik).

Kaul, Inge/Grunberg, Isabelle/Stern, Marc A. (Hg.) (1999) Global Public Goods. International Cooperation in the 21st Century, New York - Oxford: Oxford University Press.

Kaul, Inge/ Conceição, Pedro/Le Goulvan, Katell/Mendoza, Ronald U. (Hg.) (2004) Providing Global Public Goods. Managing globalizationOxford: Oxford University Press.

Martens, Jens/ Hain, Roland (2002): Globale Öffentliche Güter - Zukunftskonzept für die internationale Zusammenarbeit? Working Paper, Berlin - Bonn: Heinrich Böll Stiftung - WEED.

Jackson, Tim (2009) Prosperity without growth? The transition to a sustainable economy, London:  Sustainable Development Commission.