Ausstellung
Das Glaubenszeugnis der spanischen Apokalypse

ApokalypseMittelalterliche Handschriften-Faksimilia aus der Sammlung Rathofer
in Kooperation mit der Bibliothek Sankt German Speyer
16. Mai bis 29. Juni 2017 in der Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen
Führungen nach Bedarf (Tel. +49 069-6061 290)

Gezeigt werden Faksimilia mittelalterlicher Handschriften zum biblischen Buch der "Geheimen Offenbarung". Die darin enthaltenen Illuminationen stammen aus der Tradition der Facundus-Apokalypsen, welche in der Zeit des Widerstandes gegen das Vordringen des Islam in Europa entstanden sind.

Im 11. und 12. Jahrhundert änderte sich die Bedeutung der Apokalpse grundlegend, ihre Funktionen als politisch-religiöses Kampfmittel war beendet. Als die in ganz Spanien so lang verehrte mozarabische Liturgie auf dem Konzil von Burgos 1080 offiziell abgeschafft wurde, verlor die westgotische Schrift an Bedeutung, und zehn Jahre später beschloß das Konzil von León, den "französischen" Schrifttypus einzuführen, der nun in den meisten weiteren Beatus-Handschriften Verwendung fand. Im Zuge der Neuerungen schloß sich Spanien auch der europäischen Zeitrechnung an, obschon in einigen Gebieten noch die alte, um 38 Jahre vorgreifende Datierung bis ins 14. Jahrhundert, in Portugal bis ins 15. Jahrhundert beibehalten wurde.

Dem Millennium des Leidens Christi, dem Jahr 1033 unserer Zeitrechnung, entsann man sich besonders Apk 20,2-3: "Und der Engel ergriff den Drachen, die alte Schlange - das ist der Teufel, der Satan - und fesselte ihn für tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und schloß zu und brachte ein Siegel auf ihm an, damit er die Völker nicht mehr verführte, bis die tausend Jahre zu Ende sind. Danach muß er für kurze Zeit freigelassen werden." Nun beobachteten die Menschen des 11. Jahrhunderts besonders aufmerksam alle Zeichen, welche die große, letzte Entfesselung vor dem Jüngsten Tag anzukündigen schienen. In der Erwartung des Todes und des Zeitendes wandten sich die Christen der Frage nach dem Jenseits und dem ewigen Leben zu, so dass die Apokalypse nicht mehr Inspirationsquelle des kollektiven Widerstandes gegen einen weltlichen Feind war, sondern zur Hilfe der Gläubigen wurde in ihrem persönlichen Bemühen, in dieses Jenseits einzutreten. Die Apokalypse verlor ihre Funktion als Waffe gegen den islamischen Eindringling und wurde nun in der christlichen Liturgie Wegweiser und Begleiter in der Heilserwartung.