| Daß das Sommerfest am 20 . Juni auch in diesem Jahr klappte,
ist klar. Rund 3000 Besucher erfreuten sich der zahlreichen Aktionen und
Stände, die es in den Vorjahren bewährterweise schon gab. Kaffee
und Kuchen, Würstchen, Bier und Äppler, Waffeln, Eis, Kinderfest,
Überraschungstüten, Parkführung, amerikanische Versteigerung
vor der Kulisse unseres gelben Bedford, Musik, Infostände kirchlicher
Initiativen und Orden, Führung durch die Seminarkirche u.v.m. Man
verzeihe mir die Nachlässigkeit, falls ich versäumt habe, eines
der vielen Bausteine des Sommerfestes zu erwähnen.
Als Mitglied des Sommerfestteams war ich überaus dankbar für jede Idee und Initiative, hinter der sich viele engagierte Personen verbargen. Viele taten bereitwillig ihren Teil, so daß die Gäste offenkundig zufrieden über die Angebote und die Gesprächsmöglichkeiten mit den auf dem Campus Lebenden und Arbeitenden waren. Von den "Leistunganbietern" war wiederum zu hören, daß die Arbeit gut und locker zu bewältigen war. Es blieb Zeit, selbst das Fest anzuschauen und miteinander zu sprechen. Die Nachfeier am selben Abend spiegelte die Freude über den vergangenen Tag wieder. Fröhlich und entspannt, ja fast ausgelassen, vergnügten sich Professoren und Studierende bei Bier, Tanz und Gespräch. So gelöst und humorvoll kann es nach einem solch harten Arbeitstag zugehen. Aber wie kommt man denn zu solch einem Ausgang eines so großen Sommerfestes, dessen Erlös der Kosovo-Hilfe des Bistums Limburg zur Verfügung gestellt wird? Will heißen, mit dem Geld sollen vor Ort individuell Existenzgründungen unterstützt werden, wie z.B. zur Anschaffung von Betonmischer und Schaufelbagger, um den eigenen Baubetrieb wieder aufzunehmen. Es entstehen Arbeitsplätze, die zerschossenen Häuser werden wieder errichtet, Geld und Waren fließen wieder im Wirtschaftskreislauf, und alles zieht weite Kreise. Nochmals zurück zur Frage, wie man ein solches Sommerfest realisieren kann, das ähnlich weite Kreise zieht, wie die Projekte der Kosovo-Hilfe hoffentlich auch. Am Anfang steht die Idee des St. Georgener Sommerfestes schlechthin. Vision nannte man das in praktischen Arbeitsfeldern. Diese Vision oder Idee wurde sogleich vielen definierenden Mächten auf dem Campus ausgesetzt. Mit negativen Vorgaben wollten sie beschneiden, was aus vormaligen Erfahrungen schnurstracks in eine vermeintlich vorwegnehmbare Zukunft projiziert wurde. Die Furcht vor dem Übereifer und einem naiven Irrealismus seitens des frischen Sommerfestteams war greifbar. Eine Vision oder Ziel des Sommerfest war damit noch nicht gegeben. So legten wir erst einmal los. Schließlich waren Altlasten und Neulasten organisatorischer und finanzieller Art zu bewältigen. Einen sehr breiten Raum nahm die Motivation und Gewinnung von möglichst vielen Mithelfern ein. Denn ohne ausreichende Personaldecke muß man halt Abstriche machen, um die wenigen Mitarbeiter nicht in vielerlei Aktivitäten zu verschleißen. Damit war immer noch nicht klar, wie man eine positive innere Motivation gewinnt, die alle Beteiligte ansteckte. Also die Vision fehlte noch. So wirbelten wir weiter zwischen Telefonaten, Anfragen, Bittbriefen, Absprachen, Einkäufen... Dabei schälte sich im Team die Erfahrung heraus, daß es praktisch ist, die anfallenden Arbeiten unter uns aufzuteilen und die Verantwortung an die Einzelne und den Einzelnen zu delegieren. Erzählten wir uns vom Stand der Dinge und setzten uns gegenseitig in Kenntnis, dann konnten viele Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Oder die Entscheidung wurde vollständig delegiert, je nachdem wie eilig die Angelegenheit war. Wurden Informationen im Team nicht weitergegeben, wuchsen Irritationen, und man hatte das Gefühl, aus dem Ganzen herauszufallen. In solch chaosträchtigen Momenten gelang es uns meist, das Defizit im Gespräch schnell auszugleichen, so daß effektiv weitergearbeitet werden konnte. Wir hätten es uns auch nicht erlauben können, bis zur Handlungsunfähigkeit gelähmt zu sein. Zuviel wäre schiefgegangen. Der Zusammenhalt im Team wuchs und erwies sich als nützlich bei einschneidenden Personalentscheidungen. Außerdem bereitete es große Freude, miteinander dieses Sommerfest zu bewältigen. Mir war es fast melancholisch zumute, als unsere gemeinsame Arbeit beendet war. Wobei das mit dem Ende insofern nicht ganz richtig ist, weil uns die gesamte Schlußrechnung und die Nachbereitung im Nacken sitzt. Schließlich und endlich kristallisierte sich aus dieser positiven Erfahrung im Team und mit vielen anderen langsam folgende Idee des Sommerfestes 1999 heraus: Wir auf dem Campus arbeitenden und lebenden Professoren, Angestellte und Studierende wollen mit den Freunden St. Georgens, den Nachbarn aus Oberrad und allen Interessierten dieses Fest verleben. Dabei soll für alle optimale Gelegenheit bestehen, miteinander ins Gespräch zu kommen, um Kontakte zu pflegen oder aufzubauen. Jens Ollmetzer
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